Leben und Sterben für Skye
Verfasst: Di 27. Nov 2012, 23:32
Skye
Provinz Skye, Lyranisches Commonwealth
25. März 2506
Robert Lestrade tigerte unruhig im HPG-Konferenzraum auf und ab. Der Raum konnte wie ein ganz normales Besprechungszimmer verwendet werden. Es gab einen großen, ovalen Tisch um den, zurzeit, lediglich fünf Sessel angeordnet waren. Man mußte aber kein Innenarchitekt sein, um zu erkennen, daß mindestens 20 Sessel rund um den Tisch Platz hätten. In der Mitte des Sitzungstisches befand sich ein großer Holotank. Dieser konnte von den verschiedenen Terminals aus bedient werden. Dieser ganz spezielle Raum war aber noch mit acht weiteren Holo-Projektoren ausgestattet. Gekoppelt mit der HPG-Station in der Festung, konnte man über diesem Weg über Lichtjahre hinweg eine Konferenz abhalten, ohne den schützenden Bunkerkomplex unter der Anlage verlassen zu müssen.
Der Herzog wartete auf den Beginn der Ratssitzung. Wegen der weiten Distanzen zwischen den vier Provinzen wurde diese immer über eine HPG-Kettenschaltung abgehalten. Die Kosten dafür waren horrend, dafür verlor man aber keine Monate mit dem hin- und zurückreisen zu einem gemeinsamen Treffpunkt. Herzog Lestrade hätte dafür auch keine Zeit gehabt. Sein Herrschaftsbereich breitete sich schneller aus, als er es zu hoffen gewagt hatte. Der freiwillige Anschluß des Schutzbündnisses hatte ihn in den Augen vieler anderer Planeten beliebt gemacht. Immer mehr unabhängige Welten schlossen sich seinem Reich an und die wenigen unbelehrbaren wurden schnell umgestimmt.
Bisher hatten sich nur wenige Welten seinem Willen erfolgreich entgegen stellen können, aber er wußte, die Zeit arbeitete für ihn.
Gerade eben war er aber alles andere als zufrieden und ruhig. Das er von außen mit Widerstand zu rechnen hatte, war ihm klar gewesen, aber das es scheinbar sogar im Lyranischen Commonwealth Neider gab, die ihm Knüppel zwischen die Beine warfen, damit hatte er nicht gerechnet. Er schalt sich selbst einen Dummkopf nicht eher daran gedacht zu haben, andererseits fragte er sich, ob diese Elemente einfach nur nicht nachgedacht hatten.
Surrend erwachten die Holo-Projektoren zum Leben. Zuerst schimmerte nur statisches Rauschen in der Luft, dann formten sich nach und nach vier, holographisch erschaffene, Personen, die scheinbar auf den bereit gestellten Sesseln zu sitzen schienen.
Lestrade stellte sein unruhiges auf und ab Laufen ein und nahm auf seinem Sitz Platz. Er wußte das die anderen drei Fürsten und der Archon das selbe Bild von ihm hatten, wie er von ihnen.
„Willkommen“, begrüßte sie Archon Robert Steiner.
Nach der Reihe grüßten alle Fürsten, ebenso Herzog Lestrade: „Seid gegrüßt, Archon, Herzoge.“ Er nickte in die Runde.
„Wir wollen nicht viel Zeit vertrödeln, also fangen wir gleich mit den Punkten an. Zuerst einmal die übliche Gesamtübersicht, beginnend mit Tharkad.“ Der Archon nickte Herzog Kevin Marsden zu. Es folgten wirtschaftliche, zivile und militärische Auflistungen der betreffenden Provinz. Eine nach der anderen wurde abgehandelt. Nach Tharkad kam Herzog Takar von Bolan an die Reihe, dann Stefan Tamar von Sudeten und schlußendlich der Herzog von Skye.
Als er mit seinem grundlegenden Bericht geendet hatte, konnte Robert nicht länger an sich halten: „Was das militärische angeht, so möchte ich aber auch meinen Unmut zur Kenntnis bringen. Die Provinz Skye liegt an einer, strategisch gesehen, äußerst verwundbaren Stelle. Wie kann es dann sein, daß sich ein anderer Fürst in die Belange meiner Provinz einmischt?“ Lestrade funkelte Stefan Tamar an.
„Was meint ihr damit, Herzog Lestrade?“ entgegnete der Archon.
„Ganz einfach, Archon Steiner. Es liegt in meinem Bestreben meine Grenzen möglichst schnell zu schließen und meine Botschafter, Truppen und Agenten geben ihr Bestes um dieses Ziel zu erreichen. Die Grenze zu der Terranischen Hegemonie ist so gut wie geschlossen. Die Grenze zum Marik Commonwealth steht ebenfalls. Diese wurde bereits vor Jahren mit dem Fürsten des Commonwealth verhandelt. Bedauerlicherweise scheint der Herrscher der Grafschaft Tamarind sein Gebiet weiter in Richtung der TH ausgebreitet zu haben, als es ursprünglich von der Liga Freier Welten vorgesehen war. Vielleicht war der Fürst von Marik auch einfach nicht im Bilde, wo seine Grenze wirklich endet. Aus diesem Grund mußte ich bereits Planeten, welche laut Vertrag mir zugesprochen waren, Tamarind überlassen. Aber gut, sei´s drum. Die Grenze wird im nächsten Jahr vollends geschlossen sein.
In Richtung Sudeten habe ich meine Bemühungen noch mehr angestrengt, um schnellst möglich eine Grenze zum Draconis Kombinat zu festigen. Mit dem Früsten des Militärdistikts Benjamin kamen wir zu einer Übereinkunft, auch wenn sich dieser nicht konkret an die Abmachungen hielt. Aus diesem Grund sehe ich mich auch nicht mehr gebunden, aber im Grunde habe ich an dieser Grenze alles erreicht was ich wollte. Noch weiter vorzurücken wäre närrisch.
Anders aber Richtung Sudeten, wo der Fürst von Alshain von vornherein sämtliche Versuche einer Grenzverhandlung torpedierte. Allen war klar, daß an der Grenze zwischen Sudeten und Alshain ein extrem hohes Konfliktpotenzial herrscht. Genau darum habe ich alles in meiner Macht stehende unternommen um Herzog Tamar möglichst schnell beistehen zu können. Und was ist der Dank? Jetzt wollte Alshain scheinbar doch verhandeln und ohne mit mir auch nur ein Wort zu wechseln verschachert ihr Planeten an die Dracs? Planeten welche direkt in meinem Aufmarschgebiet sind?“
Der Archon funkelte Herzog Lestrade an: „Kommt wieder zur Ruhe, Herzog. Dies ist nicht der Ort für solche Gefühlsausbrüche.“ Er starrte ihn noch eine Weile nieder, ehe er sich an Tamar wandte. „Was haben sie dazu zu sagen, Herzog Tamar?“
Stefan Tamar räusperte sich kurz, ehe er sich erhob und das Wort ergriff: „Es stimmt, daß ich einen Grenzverlauf mit dem Militärdistrikt Alshain verhandelt habe. Dieser kam auch zu einem positiven Abschluß.“ Er betätigte ein paar Knöpfe auf seinem Pult und eine holographische Darstellung des Grenzverlaufes flammte in der Mitte des Tisches auf. Die Daten wurden an alle Sitzungsteilnehmer übermittelt, so daß jeder das Selbe sah. „Das hier ist der vereinbarte Grenzverlauf. Wie ihr sehen könnt, ist es durchaus ein annehmbarer Kompromiß.“
Lestrade betätigte einige Knöpfe auf seinem Pult und zwei Planeten flammten auf, welche laut dem aktuellen Grenzverlauf dem Draconis Kombinat zugesprochen waren: „Und diese Planeten wollte ich mit der nächsten Welle in Skye eingliedern. Hätte ich nicht eine HPG von Alshain bekommen, mit der Frage ob ich mich an den abgemachten Vertrag halten würde, hätte ich nicht einmal etwas davon gewußt. Wollt ihr absichtlich die Provinz Skye in einen Konflikt mit dem Drachen treiben, oder geht es euch nur darum, daß ihr neidisch auf die Erfolge meines Herzogtums seid?“
„Ich verbiete mir diese Unterstellungen, Herzog Lestrade!“ wetterte Tamar dagegen. „Ich stehe sicher nicht in Konkurrenz mit euch, daß habe ich nicht nötig. Aber dieser Vertrag ist zum Besten meiner Bürger, und wahrscheinlich sogar des gesamten Commonwealth.“
Lestrade stand auf und funkelte den Herzog von Sudeten zornig an: „Ihr meint wohl, ihr könnt mich herausfordern. Denkt ihr wirklich ich lasse mich von euren Verträgen“, er spuckte das Wort förmlich aus, „in meinen Bestrebungen behindern? Ich habe mehr erreicht als jeder hier in der Runde und ich sehe nicht ein, warum ich mir von jemanden wie euch diktieren lassen soll, was ich tue und was nicht.“
Ein Knall kam der Erwiderung Stefan Tamars zuvor. Der Archon hatte mit seiner Faust auf den Tisch geschlagen, wartete einige Augenblicke, während sich die aufgeheizten Gemüter wieder beruhigen konnten und ergriff dann das Wort: „Es reicht. Wir sind eine Nation. Die Einigkeit macht uns stark. Ich werde nicht dulden das sich zwei meiner höchsten Lords an die Kehle gehen.“ Er wandte sich an Tamar: „Ich stimme dem Herzog von Skye zu, eure Vorgehensweise war alles andere als wohl überlegt. Ihr hättet mit ihm Rücksprache halten sollen, nicht nur das, wann hattet ihr vor mir von diesem Vertrag zu berichten? Wir arbeiten für ein höheres Ziel und ihr seid mir Rechenschaft schuldig. Dies war euer einziges Vergehen in diese Richtung, Herzog Tamar.“
Der Fürst von Sudeten verbeugte sich tief vor seinem Herrscher: „Natürlich, mein Archen, verzeiht. Es wird nicht wieder vorkommen.“
Nun richteten sich die Augen Robert Steiners auf den Herzog von Skye: „Und ihr werdet den Vertrag akzeptieren, wie er nun ist. Es liegt nicht in meinem Interesse einen etwaigen bewaffneten Konflikt mit einem unserer Nachbarn zu schüren. Ihr werdet euren Stolz hinunter schlucken und die Systeme in Frieden lassen, welche dem Drachen zugesprochen wurden, haben wir uns verstanden?“
Es hatte den Anschein als wollte Robert Lestrade sich weigern, doch dann verbeugte er sich ebenfalls vor seinem Herrscher, wenn auch nicht so tief wie Tamar: „Wie ihr wünscht, Archon.“
Steiner nickte: „Gut, damit wäre das auch geklärt. Wenn wir keine weiteren Punkte haben, dann erkläre ich diese Sitzung als beendet.“ Er sah sich in der Runde um. Nachdem niemand einen Einwand vorbrachte nickte er abermals: „Gut, dann treffen wir uns in einem Monat wieder zur nächsten Sitzung. Auf eine glorreiche Zukunft.“
Die Verbindung wurde unterbrochen und Lestrade war wieder allein im Besprechungsraum. Die Holokameras und –projektoren stellten den Betrieb ein.
Er knirschte wütend mit den Zähnen.
Mir sind die Hände gebunden. Ich muß dem Befehl des Archon nachkommen. Aber gut, nun weiß ich, daß Feinde nicht nur außerhalb des Lyranischen Commonwealth bestehen, dachte der Herzog bei sich. Ich habe meine Lektion gelernt. Gut, ich darf mich nicht weiter in Richtung der Drachen ausweiten. Aber alle anderen Richtungen…
Schnell rief er eine Übersichtskarte der Inneren Sphäre auf und holte sich den Ausschnitt heran, welcher die zukünftige Grenze zu Sudeten darstellte. Sofort lies er sich die Standorte seiner Truppen einblenden, ebenso lies er die Daten einblenden, die er aus Sudeten bekommen hatte. Koordiniertes Vorgehen liefert Informationen, praktisch. Er grinste böse und studierte die Karte ausgiebig, dann nickte er. Er betätigte einen Knopf am Pult und die Stimme des Diensthabenden Offiziers meldete sich: „Mein Herzog?“
„Kommen sie umgehend zu mir in den HPG-Konferenzraum. Ich habe neue Befehle für unsere Einheiten. Außerdem schicken sie mir Kato. Ich habe auch für ihn einen neuen Auftrag, der keinen Aufschub duldet.“
„Ja, Herzog, sofort.“
Lestrade unterbrach die Verbindung wieder und studierte weiterhin die Karte. Ja, sein Skye würde wachsen und gedeihen, und wenn die Zeit reif war, würde er losschlagen. Genau in dem Moment in dem niemand damit rechnete.
Provinz Skye, Lyranisches Commonwealth
25. März 2506
Robert Lestrade tigerte unruhig im HPG-Konferenzraum auf und ab. Der Raum konnte wie ein ganz normales Besprechungszimmer verwendet werden. Es gab einen großen, ovalen Tisch um den, zurzeit, lediglich fünf Sessel angeordnet waren. Man mußte aber kein Innenarchitekt sein, um zu erkennen, daß mindestens 20 Sessel rund um den Tisch Platz hätten. In der Mitte des Sitzungstisches befand sich ein großer Holotank. Dieser konnte von den verschiedenen Terminals aus bedient werden. Dieser ganz spezielle Raum war aber noch mit acht weiteren Holo-Projektoren ausgestattet. Gekoppelt mit der HPG-Station in der Festung, konnte man über diesem Weg über Lichtjahre hinweg eine Konferenz abhalten, ohne den schützenden Bunkerkomplex unter der Anlage verlassen zu müssen.
Der Herzog wartete auf den Beginn der Ratssitzung. Wegen der weiten Distanzen zwischen den vier Provinzen wurde diese immer über eine HPG-Kettenschaltung abgehalten. Die Kosten dafür waren horrend, dafür verlor man aber keine Monate mit dem hin- und zurückreisen zu einem gemeinsamen Treffpunkt. Herzog Lestrade hätte dafür auch keine Zeit gehabt. Sein Herrschaftsbereich breitete sich schneller aus, als er es zu hoffen gewagt hatte. Der freiwillige Anschluß des Schutzbündnisses hatte ihn in den Augen vieler anderer Planeten beliebt gemacht. Immer mehr unabhängige Welten schlossen sich seinem Reich an und die wenigen unbelehrbaren wurden schnell umgestimmt.
Bisher hatten sich nur wenige Welten seinem Willen erfolgreich entgegen stellen können, aber er wußte, die Zeit arbeitete für ihn.
Gerade eben war er aber alles andere als zufrieden und ruhig. Das er von außen mit Widerstand zu rechnen hatte, war ihm klar gewesen, aber das es scheinbar sogar im Lyranischen Commonwealth Neider gab, die ihm Knüppel zwischen die Beine warfen, damit hatte er nicht gerechnet. Er schalt sich selbst einen Dummkopf nicht eher daran gedacht zu haben, andererseits fragte er sich, ob diese Elemente einfach nur nicht nachgedacht hatten.
Surrend erwachten die Holo-Projektoren zum Leben. Zuerst schimmerte nur statisches Rauschen in der Luft, dann formten sich nach und nach vier, holographisch erschaffene, Personen, die scheinbar auf den bereit gestellten Sesseln zu sitzen schienen.
Lestrade stellte sein unruhiges auf und ab Laufen ein und nahm auf seinem Sitz Platz. Er wußte das die anderen drei Fürsten und der Archon das selbe Bild von ihm hatten, wie er von ihnen.
„Willkommen“, begrüßte sie Archon Robert Steiner.
Nach der Reihe grüßten alle Fürsten, ebenso Herzog Lestrade: „Seid gegrüßt, Archon, Herzoge.“ Er nickte in die Runde.
„Wir wollen nicht viel Zeit vertrödeln, also fangen wir gleich mit den Punkten an. Zuerst einmal die übliche Gesamtübersicht, beginnend mit Tharkad.“ Der Archon nickte Herzog Kevin Marsden zu. Es folgten wirtschaftliche, zivile und militärische Auflistungen der betreffenden Provinz. Eine nach der anderen wurde abgehandelt. Nach Tharkad kam Herzog Takar von Bolan an die Reihe, dann Stefan Tamar von Sudeten und schlußendlich der Herzog von Skye.
Als er mit seinem grundlegenden Bericht geendet hatte, konnte Robert nicht länger an sich halten: „Was das militärische angeht, so möchte ich aber auch meinen Unmut zur Kenntnis bringen. Die Provinz Skye liegt an einer, strategisch gesehen, äußerst verwundbaren Stelle. Wie kann es dann sein, daß sich ein anderer Fürst in die Belange meiner Provinz einmischt?“ Lestrade funkelte Stefan Tamar an.
„Was meint ihr damit, Herzog Lestrade?“ entgegnete der Archon.
„Ganz einfach, Archon Steiner. Es liegt in meinem Bestreben meine Grenzen möglichst schnell zu schließen und meine Botschafter, Truppen und Agenten geben ihr Bestes um dieses Ziel zu erreichen. Die Grenze zu der Terranischen Hegemonie ist so gut wie geschlossen. Die Grenze zum Marik Commonwealth steht ebenfalls. Diese wurde bereits vor Jahren mit dem Fürsten des Commonwealth verhandelt. Bedauerlicherweise scheint der Herrscher der Grafschaft Tamarind sein Gebiet weiter in Richtung der TH ausgebreitet zu haben, als es ursprünglich von der Liga Freier Welten vorgesehen war. Vielleicht war der Fürst von Marik auch einfach nicht im Bilde, wo seine Grenze wirklich endet. Aus diesem Grund mußte ich bereits Planeten, welche laut Vertrag mir zugesprochen waren, Tamarind überlassen. Aber gut, sei´s drum. Die Grenze wird im nächsten Jahr vollends geschlossen sein.
In Richtung Sudeten habe ich meine Bemühungen noch mehr angestrengt, um schnellst möglich eine Grenze zum Draconis Kombinat zu festigen. Mit dem Früsten des Militärdistikts Benjamin kamen wir zu einer Übereinkunft, auch wenn sich dieser nicht konkret an die Abmachungen hielt. Aus diesem Grund sehe ich mich auch nicht mehr gebunden, aber im Grunde habe ich an dieser Grenze alles erreicht was ich wollte. Noch weiter vorzurücken wäre närrisch.
Anders aber Richtung Sudeten, wo der Fürst von Alshain von vornherein sämtliche Versuche einer Grenzverhandlung torpedierte. Allen war klar, daß an der Grenze zwischen Sudeten und Alshain ein extrem hohes Konfliktpotenzial herrscht. Genau darum habe ich alles in meiner Macht stehende unternommen um Herzog Tamar möglichst schnell beistehen zu können. Und was ist der Dank? Jetzt wollte Alshain scheinbar doch verhandeln und ohne mit mir auch nur ein Wort zu wechseln verschachert ihr Planeten an die Dracs? Planeten welche direkt in meinem Aufmarschgebiet sind?“
Der Archon funkelte Herzog Lestrade an: „Kommt wieder zur Ruhe, Herzog. Dies ist nicht der Ort für solche Gefühlsausbrüche.“ Er starrte ihn noch eine Weile nieder, ehe er sich an Tamar wandte. „Was haben sie dazu zu sagen, Herzog Tamar?“
Stefan Tamar räusperte sich kurz, ehe er sich erhob und das Wort ergriff: „Es stimmt, daß ich einen Grenzverlauf mit dem Militärdistrikt Alshain verhandelt habe. Dieser kam auch zu einem positiven Abschluß.“ Er betätigte ein paar Knöpfe auf seinem Pult und eine holographische Darstellung des Grenzverlaufes flammte in der Mitte des Tisches auf. Die Daten wurden an alle Sitzungsteilnehmer übermittelt, so daß jeder das Selbe sah. „Das hier ist der vereinbarte Grenzverlauf. Wie ihr sehen könnt, ist es durchaus ein annehmbarer Kompromiß.“
Lestrade betätigte einige Knöpfe auf seinem Pult und zwei Planeten flammten auf, welche laut dem aktuellen Grenzverlauf dem Draconis Kombinat zugesprochen waren: „Und diese Planeten wollte ich mit der nächsten Welle in Skye eingliedern. Hätte ich nicht eine HPG von Alshain bekommen, mit der Frage ob ich mich an den abgemachten Vertrag halten würde, hätte ich nicht einmal etwas davon gewußt. Wollt ihr absichtlich die Provinz Skye in einen Konflikt mit dem Drachen treiben, oder geht es euch nur darum, daß ihr neidisch auf die Erfolge meines Herzogtums seid?“
„Ich verbiete mir diese Unterstellungen, Herzog Lestrade!“ wetterte Tamar dagegen. „Ich stehe sicher nicht in Konkurrenz mit euch, daß habe ich nicht nötig. Aber dieser Vertrag ist zum Besten meiner Bürger, und wahrscheinlich sogar des gesamten Commonwealth.“
Lestrade stand auf und funkelte den Herzog von Sudeten zornig an: „Ihr meint wohl, ihr könnt mich herausfordern. Denkt ihr wirklich ich lasse mich von euren Verträgen“, er spuckte das Wort förmlich aus, „in meinen Bestrebungen behindern? Ich habe mehr erreicht als jeder hier in der Runde und ich sehe nicht ein, warum ich mir von jemanden wie euch diktieren lassen soll, was ich tue und was nicht.“
Ein Knall kam der Erwiderung Stefan Tamars zuvor. Der Archon hatte mit seiner Faust auf den Tisch geschlagen, wartete einige Augenblicke, während sich die aufgeheizten Gemüter wieder beruhigen konnten und ergriff dann das Wort: „Es reicht. Wir sind eine Nation. Die Einigkeit macht uns stark. Ich werde nicht dulden das sich zwei meiner höchsten Lords an die Kehle gehen.“ Er wandte sich an Tamar: „Ich stimme dem Herzog von Skye zu, eure Vorgehensweise war alles andere als wohl überlegt. Ihr hättet mit ihm Rücksprache halten sollen, nicht nur das, wann hattet ihr vor mir von diesem Vertrag zu berichten? Wir arbeiten für ein höheres Ziel und ihr seid mir Rechenschaft schuldig. Dies war euer einziges Vergehen in diese Richtung, Herzog Tamar.“
Der Fürst von Sudeten verbeugte sich tief vor seinem Herrscher: „Natürlich, mein Archen, verzeiht. Es wird nicht wieder vorkommen.“
Nun richteten sich die Augen Robert Steiners auf den Herzog von Skye: „Und ihr werdet den Vertrag akzeptieren, wie er nun ist. Es liegt nicht in meinem Interesse einen etwaigen bewaffneten Konflikt mit einem unserer Nachbarn zu schüren. Ihr werdet euren Stolz hinunter schlucken und die Systeme in Frieden lassen, welche dem Drachen zugesprochen wurden, haben wir uns verstanden?“
Es hatte den Anschein als wollte Robert Lestrade sich weigern, doch dann verbeugte er sich ebenfalls vor seinem Herrscher, wenn auch nicht so tief wie Tamar: „Wie ihr wünscht, Archon.“
Steiner nickte: „Gut, damit wäre das auch geklärt. Wenn wir keine weiteren Punkte haben, dann erkläre ich diese Sitzung als beendet.“ Er sah sich in der Runde um. Nachdem niemand einen Einwand vorbrachte nickte er abermals: „Gut, dann treffen wir uns in einem Monat wieder zur nächsten Sitzung. Auf eine glorreiche Zukunft.“
Die Verbindung wurde unterbrochen und Lestrade war wieder allein im Besprechungsraum. Die Holokameras und –projektoren stellten den Betrieb ein.
Er knirschte wütend mit den Zähnen.
Mir sind die Hände gebunden. Ich muß dem Befehl des Archon nachkommen. Aber gut, nun weiß ich, daß Feinde nicht nur außerhalb des Lyranischen Commonwealth bestehen, dachte der Herzog bei sich. Ich habe meine Lektion gelernt. Gut, ich darf mich nicht weiter in Richtung der Drachen ausweiten. Aber alle anderen Richtungen…
Schnell rief er eine Übersichtskarte der Inneren Sphäre auf und holte sich den Ausschnitt heran, welcher die zukünftige Grenze zu Sudeten darstellte. Sofort lies er sich die Standorte seiner Truppen einblenden, ebenso lies er die Daten einblenden, die er aus Sudeten bekommen hatte. Koordiniertes Vorgehen liefert Informationen, praktisch. Er grinste böse und studierte die Karte ausgiebig, dann nickte er. Er betätigte einen Knopf am Pult und die Stimme des Diensthabenden Offiziers meldete sich: „Mein Herzog?“
„Kommen sie umgehend zu mir in den HPG-Konferenzraum. Ich habe neue Befehle für unsere Einheiten. Außerdem schicken sie mir Kato. Ich habe auch für ihn einen neuen Auftrag, der keinen Aufschub duldet.“
„Ja, Herzog, sofort.“
Lestrade unterbrach die Verbindung wieder und studierte weiterhin die Karte. Ja, sein Skye würde wachsen und gedeihen, und wenn die Zeit reif war, würde er losschlagen. Genau in dem Moment in dem niemand damit rechnete.