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Sian 2507 - 1

Do 29. Nov 2012, 22:10

1. Januar 2507
Tian-Tan, St. Ives

Mit einem lauten Knall zerplatzte die Rakete über Tian-Tans Nachthimmel und sprühte Funken roten, gelben und grünen Lichts nach allen Seiten. Viele weitere Feuerwerksrakten schlossen sich an und erleuchteten den Himmel. Fast die ganze Stadt war auf den Beinen. Von überall hörte man fröhliche Stimmen ausgelassen feiernder Menschen. In vielen Vierteln wurden die traditionellen Drachen hervorgeholt, die nun wie Lindwürmer durch die Straßen tanzten. Nach der Zustimmung der Generalversammlung zu einem Anschluß an die Kommunalität Sian hatten die meisten Bewohner St. Ives auf den Jahreswechsel hingefiebert, an dem der Anschluß rechtsgültig wurde. Überall war Partystimmung, sogar das Wetter spielte mit und verschonte die Stadt mit dem zu dieser Jahreszeit allzu üblichen Regenfällen.

Am frühen Morgen kam Hu LungMing von den Straßenfeiern zurück zu seinem Appartment hinter dem Restaurant. Er wollte gerade die Türe schliesen, als sich ein schlanker, stabiler Schuh in die Türe stellte. Erstaunt fuhr Lung herum und blickte direkt in die Augen Gabriela Fu's. "Du solltest etwas vorsichtiger sein, wenn du deine Wohnung betrittst!", stellte sie fest. "Solche kleinen Nachlässigkeiten können tödlich enden! Und jetzt kannst du deinen Mund wieder zu machen." schloß sie ihre Belehrung. In Lung kam langsam wieder Leben zurück. "Ga...!" wollte er staunend sagen, aber sie fuhr ihm über den Mund. "Nein, ich bin Lydia Harlow, kannst Du dich nicht mehr erinnern? Hast du so viele Betthäschen, dass du sie nicht mehr auseinander halten kannst?" Lung lies seinen Blick über sein Gegenüber gleiten und stellte fest, dass sie ihr Äußeres stark verändert hatte. Nur die Augen waren die gleichen geblieben. "Ertappt, Lydia, stimmt! Tut mit Leid, entschuldige bitte! Komm doch rein." stimmte er zu. "Entschuldigung akzeptiert und gewährt." erwiderte sie, betrat den Raum und schloß die Türe hinter sich.

Gewohnheitsmäßig aktivierte sie den Störsender in ihrer Handtasche, der sie vor Lauschangriffen sicherte. Lung und sie setzten sich aufs Sofa, nachdem er Eistee für beide aus dem Kühlschrank gefischt hatte. "Du hier, wie das?" "Nur auf der Durchreise, in 6 Tagen muss ich weiter. Die Geschäfte rufen." Lung konnte sich schon denken, welche Tätigkeiten ihre Aufmerksamkeit erforderten. Er selbst war als lokaler Agent wahrscheinlich für immer auf St. Ives beschränkt, da ihm einfach die Ausbildung für eine erfolgreiche Karriere als Reiseagent fehlte. Das war bei ihr offensichtlich anders.

Er blickte ihr tief in die Augen, "Wie heist du wirklich." fragte er sie. "Wenn ich dir das sage, müsste ich dich töten!" dabei rückte sie ihm näher und schlang ihre Arme um seinen Hals. Sie verzog bedauernd das Gesicht um ihn aber sofort wieder mit einem Lächeln anzustrahlen. Lung zog sie noch näher an sich heran und küsste sie leidenschaftlich.

Die Agentin hatte es sehr ernst gemeint mit ihrer Bemerkung. Keiner durfte wissen, das sie Ramona Liao, das 7. Kind und jüngste Tochter des 1. Mandarins der Kommunalität Sian, und damit Nichte des Kanzlers der Konföderation Capella war. Doch jetzt wollte sie nicht daran denken, vor ihr lagen ein paar Tage der Entspannung und des Müßiggangs mit Lung!


23. April 2507
Verbotene Stadt, Sian

Zhong-Shao Pavel Beresov stand unruhig im Vorzimmer des Stabschefs im Gebäude des militärischen Oberkommandos der Kommunalität Sian. Kurz schossen ihm Erinnerungsfetzen der letzten Jahre durch den Kopf. Der Verlust seines Bataillons auf Calpaca, die Kriegsgefangenschaft, die Befreiung im letzten Jahr durch die Einsatzgruppe, die Calpaca schlieslich eingenommen hatte. Sein Reise hierher nach Sian. Er hatte seine Frau und seine Kinder jetzt seit fast 3 Jahren nicht zu Gesicht bekommen, nur über HPG und sie durch die Feldpost übermittelte Nachrichten waren sie in Kontakt geblieben. Plötzlich blinkte der Tisch-Kommunikator des Adjutanten. Sang-Wei Miller blickte auf und teilte ihm mit, das er sich jetzt bei Sang-Shao Sun melden sollte.

Beresov griff nach der altmodischen Türklinke drückte sie herunter und betrat das Büro des Stabschefs. Vor dem Schreibtisch dessen blieb er stehen und erhob die Hand zum militärischen Gruß. "Zhong-Shao Beresov meldet sich wie befohlen!" gab er förmlich seine Meldung ab. Sun erwiderte den Gruß, "Beresow, schön sie zu sehen, setzen sie sich bitte.", dabei wies er auf die kleine Besprechungsecke in seinem Büro. Dort standen vier bequem aussehende Sessel und ein niedriger Tisch.

"Wie geht es ihnen?" fragte der Stabschef seinen Untergebenen nachdem sie sich gesetzt hatten. "Sun Sang-Shao, danke der Nachfrage, aber wir wurden den Umständen entsprechend sehr gut behandelt. Aber, wenn ich ehrlich bin, die Ungewissheit und das Bewusstsein meinen Auftrag nicht ausgeführt und dabei so viele meiner Untergebenen verloren zu haben, machte mir die Zeit nicht leicht." "Das ehrt sie," stellte Sun fest, "aber bei dieser Ausgangssituation hätte es mindestens einen Rommel gebraucht, um den Gegner zu besiegen. Ich habe mir die Gefechts-ROMs und die taktische Auswertung angesehen, die man im Hauptquartier auf Calpaca gefunden hat. Sie haben sich hervorragend geschlagen!"

"Xiexie, Sun Sang-Shao!" Beresov legte seine rechte Faust vor seiner Brust in die linke Hand und verneigte sich in Richtung seines Vorgesetzten. "Jetzt kommen wir zur Frage, was wir mit Ihnen anstellen, Beresow. Das 2. Panzerbataillon Krin wird wieder aufgestellt. Aber Sie werden nicht wieder das Kommando übernehmen." Sun drückte einen Knopf in der kleinen Konsole neben ihm an der Wand und eine Seitentür glitt geräuschlos auf. Herein trat eine hagere Frau in der Uniform eines Sang-Shao und bewegte sich auf die Besprechungsecke zu. Dabei zog sie ihr linkes Bein leicht nach. Beresov erhob sich und grüßte die Frau. Sun erhob sich ebenfalls und meinte "Vorstellen brauche ich sie sicher nicht." Beresov und die Sang-Shao schüttelten beide den Kopf.

Pavel Bereresov kannte diese Frau nur zu gut! Cyntia Robson stammte ebenfalls aus der Panzertruppe und war seine Kompaniechefin, als er als blutjunger Sao-Wei sein erstes Kommando als Zugführer antratt. Mehr als 4 Jahre hatte sie ihn gedrillt und ihm das 1x1 der Panzerfahrer eingebleut. Vor 6 Jahren war ihr Panzer bei einem Angriff mit ihrem Regiment, den sie persönlich anführte, abgeschossen worden. Die Detonation und die herumfliegenden Splitter im Panzer hatten sie sehr schwer verletzt. Dabei verlor sie ihr linkes Bein und den linken Unterarm und in ihrem wie aus Stein gemeiseltem Gesicht waren die Narben deutlich zu erkennen, die die Schrapnells hinterlassen hatten. Seither war sie nicht mehr Einsatztauglich, aber die Armee hatte für Sie eine andere Aufgabe gefunden, die sie mit mindestens der gleichen Effizienz ausfüllte, wie sie früher ihre Panzer geführt hatte. Als Personal-Generalstabsoffizier war sie verantwortlich für den Personalersatz der Sian'schen Streitkräfte.

"Pavel Beresov, hätten sie Interesse die Truppengattung zu wechseln?" fragte Robson ihn. "Sie wissen ganz genau, das ich ein begeisterter Panzermann bin!" stellte Beresow fest. "Das käme sicher auf die Alternative an." erwiderte sie. "Wir brauchen einen fronterfahrenen Kommandeur mit ihren Qualitäten! Die Armee bietet ihnen das Kommando über ein brandneues Battlemechbataillon an. Was sagen sie dazu?"

Pavel Beresow war im ersten Moment sprachlos. Battlemechs! In seinen Augen die konsequente Weiterführung des Gedankens, der auch hinter der Entwicklung der Panzerwaffe gestanden hatte! Pavel Beresow musste nur kurz nachdenken um sich innerlich dafür zu entscheiden. Die mobilste und schlagkräftigste Waffe, die der Mensch je ersonnen hatte. "Ich bin nicht qualifiziert!" stellte er aber laut fest. Cyntia Robson zog nur ihre rechte Augenbraue hoch. Nur zu gut kannte er ihr Minenspiel! "Dann werden sie die nächsten 8 Monate wohl gut was zu tun haben! An der Mechakademie freuen sie sich immer, wenn sie einem Stabsoffizier in den Arsch treten können!" meinte sie trocken.

Sang-Shao Sun Hu Jjing mischte sich in das Gespräch ein, "Mechjockeys haben wir mittlerweile in ausreichender Anzahl. Aber Offiziere, die abgebrüht genug sind, so ein Bataillon zu führen, die wachsen leider nicht auf Bäumen. Wenn sie akzeptieren, werden sie mit sofortiger Wirkung hierher auf ihre neue Diensstelle versetzt. Ihre Familie werden wir natürlich umgehend aus Krin hierher holen lassen!"

"Ich bin dabei!" sties Pavel Beresov hervor. "Wo muss ich unterschreiben?" meinte er noch scherzhaft. Da fiel ihm noch etwas ein. "Könnte ich einen Offizier meiner Wahl mit in das Bataillon bringen?" fragte er seine Vorgesetzten. "An wen denken Sie?" Robson blickte ihn mit ihren eisblauen Augen an. "Sao-Wei Orloff, Robson Sang-Shao! Sie ist die beste Erkunderin, die ich je getroffen habe!"

Robson schüttelte den Kopf, "Nein, Sao-Wei Orloff bkommen sie nicht, aber" und jetzt grinste seine alte Vorgesetzte durchtrieben, "aber Sang-Wei Orloff wäre verfügbar, sie hat heute Morgen von mir ihre längst überfällige Beförderung erhalten."

Diese Frau war unberechenbar! Obwohl Beresow das wusste, überraschte Robson in immer wieder! "Wo soll ich mich wann melden?" fragte er die Sang-Shao. "Das machen wir gleich im Anschluß" warf der Stabschef ein. Aber vorher möchte ich noch ihre Meinung in einer anderen Sache hören." Beresow wandte sich wieder dem Stabschef zu. "Viele Soldaten und auch Offiziere einiger annektierter Welten haben sich um den Dienst in den Stritkräften Capellas beworben, unter anderem ein Lt.Col. Fritzen der Calpacischen Systemstreitkräfte. In ihrem Bericht erwähnen sie ihn sehr positiv."

"Jawohl, so weit ich ihn kennen gelernt habe, halte ich ihn für einen sehr kompetenten Offizier. Ich würde eine Übernahme befürworten." "Sehr gut." erwiderte Sun, "Das Interessante an dem Mann ist, dass er bis vor 10 Jahren in der Armee der terranischen Hegemonie gedient hat. Er ist ein voll qualifizierten Battlemech-Pilot. Laut Maskirovka-Dossier verlies er die terranischen Streitkräfte, weil seine Frau, die von Calpaca stammt, unbedingt wieder zurück in ihre Heimat wollte."

"Zhong-Shao Pavel Beresov, sie befürworten seine Übernahme? Dann werden sie sich auch um ihn kümmern. Er wird ihr Stellvertreter. Durch die Übernahme muss er aber, wie in solchen Fällen üblich, auf eine Rangstufe verzichten und seinen Dienst bei Ihnen als Sao-Shao antreten." Sun Hu Jjing blickte von Beresov zu Robson und wieder zurück. "Das wäre alles. Bitte gehen sie mit Sang-Shao Robson für die restlichen Formalitäten."

Pavel Beresov nahm Haltung an meldete sich beim Stabschef ab und folgte Cyntia Robson durch die Nebentüre. Sun sah den beiden noch kurz nach.


Glossar:
Sao-Wei = Leutnant
Sang-Wei = Hauptmann
Sao-Shao = Major
Zhong-Shao = Oberstleutnant
Sang-Shao = Oberst

Do 29. Nov 2012, 22:10

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