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Das Schutzbündnis

Di 25. Sep 2012, 14:22

12. Dezember 2499
Orestes
Unabhängige Welt

Es war ein kalter, verregneter Tag auf Orestres. Es gab nie Schnee auf dieser Welt, dazu war das Klima zu mild, aber die Regenfälle in den Wintermonaten waren heftig, und kalt, sehr kalt. Niemand der keinen guten Grund hatte würde an einem solchen Tag auf die Straße gehen, doch heute war etwas anders.
Menschenmassen waren auf dem Hauptplatz vor dem Planetaren Parlamentsgebäude zusammen gekommen. Sie alle sahen gebannt auf den Balkon, in Erwartung der Delegation von insgesamt 6 Welten, die gerade innerhalb des Gebäudes einen wichtigen Vertrag zu unterschreiben planten.
Kamerateams übertrugen das Ereignis auf dem gesamten Planeten. Sie würden auch Aufnahmen anfertigen, die an die im Weltall, Millionen von Kilometern entfernt, wartenden Sprungschiffe übermittelt werden würden. Nur wenige Stunden nach dem erwarteten Ereignis würde es auf allen 6 Planeten bekannt sein.
Das allgemeine Murmeln auf dem Platz verstummte, als sich die Türen öffneten und etwa drei Dutzend Würdenträger auf den großen Balkon traten. Präsident Hudson, der gewählte Herrscher von Orestres, breitete die Hände aus und trat an das Mikrophon. Als sich auch die letzte Stimme gelegt hatte begann er zu sprechen.
„Bürger von Orestes, Morningside, Fatima, Meacham, Ganshoren und Dalkeith, heute ist ein großer Tag. In Anbetracht der immer größer werdenden Bewegungen im gesamten Universum und des inzwischen offiziellen Bündnisses mehrere Handelsreiche unter dem Banner des Lyranischen Commonwealth, in der Gewißheit der Unbeständigkeit und der Gefahren des Kalten Raumes zwischen den Welten und in Voraussicht in eine glorreiche Zukunft, bilden wir heute das Schutzbündnis! Wir werden gemeinsam der wankelmütigen Zukunft entgegen treten und als gestärkte Nation alle Herausforderungen bestehen!“
Ihm wurde ein Dokument gereicht, daß er über das Geländer den Massen als Beweis des Entschlusses präsentierte. Applaus und Jubel brandete über den Platz, während sich die Würdenträger demonstrativ die Hände schüttelten.

„Heute ist ein großer Tag für die Bürger dieser sechs Welten. Präsident Hudson, erster Vorsitzender des Schutzbündnisses, hat den 12. Dezember offiziell zum Feiertag erklärt. Nachdem erst vor kurzem bekannt wurde, daß sich die Herrscherbereiche Tharkad, Sudeten, Bolan und Skye zum Lyranischen Commonwealth zusammen geschlossen haben und auf der anderen Seite das Draconis-Kombinat offiziell durch den Zusammenschluß von Luthien, Alshain, Galedon und Benjamin gegründet wurde, sowie eine teilweise aggressive Ausbreitung beider Nationen zu beobachten ist, herrscht natürlich Unruhe im Volk. Das Schutzbündnis soll Sicherheit und Stabilität sichern und wurde vom Großteil der Bürger positiv aufgenommen. Ebenso wird die Wirtschaft vom Zusammenschluß profitieren, so sind führende Experten überzeugt. Aber nicht alle sind dieser Ansicht. Ein durchaus ernstzunehmender Anteil der Bevölkerung hat sich für einen Anschluß an das Lyranische Commonwealth ausgesprochen. Ebenso gibt es Stimmen sich an das Draconis-Kombinat anzuschließen, hier aber hauptsächlich vom asiatischstämmigen Anteil der Bürger.
Es gibt in der Opposition auf allen Welten des Bündnisses ein starkes Lager das bereits zuvor gegen die Unterzeichnung, und nun sicher für die Annullierung des Vertrages von Orestes ist. Wie lange sich diese Stimmen halten können, oder ob sie in Zukunft sogar lauter und stärker werden, hängt sicherlich vom Erfolg, oder Mißerfolg des Schutzbündnisses ab.
Für Sie vor Ort, Elisabeth Schmidt für Kanal 7.“

Das Bündnis war besiegelt. Die Unterzeichnung hatte erst vor gut fünf Stunden stattgefunden und schon lief die Übertragung auf allen Welten. Die ehemalige unabhängige Welt Orestes war nun offizielles Mitglied des Schutzbündnisses und, zumindest für die nächsten fünf Jahre, die Hauptwelt des jungen Bündnisses. Danach würde es Neuwahlen geben um den nächsten Vorsitzenden zu ermitteln.
Der Mann schaltete den Fernseher aus und wandte sich den anderen anwesenden zu. Mit ihm befanden sich drei weitere Personen im Raum.
„Nicht ganz das was uns vorschwebte.“
„Nein“, antwortete ein anderer der Anwesenden. „Aber eine durchaus nachvollziehbare Entwicklung. Es ist unverkennbar, daß eine Zeit der Änderungen angebrochen ist. Es war nicht weiter verwunderlich das nicht alle sich dem Neuen einfach so hingeben werden.“
„Es ändert aber nichts. Vielleicht ist es ein Aufbegehren gegen das Unvermeidliche aber auch nicht mehr.“ Die einzige Frau im Raum sah in die Runde und alle nickten ihr zu.
Ein weiterer Mann meldete sich zu Wort: „Wir gehen vor wie geplant?“
„Sicher“, erwiderte der erste, „zu allererst werden wir jetzt reich, stinkreich, nur um alles wieder zu verprassen.“
Alle lachten.

Di 25. Sep 2012, 14:22

Re: Das Schutzbündnis

Mo 8. Okt 2012, 16:46

11. August 2501
Morningside
Schutzbündnis

Der Auftrag war klar, das Finden von seltenen Rohstoffen um sie der Wirtschaft zufließen zu lassen. Bisher war der Erfolg noch nicht wirklich groß gewesen. Sie hatten schon den gesamten Hauptkontinent, Asra, untersucht, doch ohne Erfolg. Es hatte zwar leichte Spuren von Lanthan und Scandium gegeben, aber nicht genug um eine Förderung als Gewinnversprechend anzusehen. Nachdem sie auf Asra kein Glück hatten, waren sie weitergewandert nach Rea, den zweiten Kontinent Morningsides. Er war beinahe unbesiedelt, wenn man von einigen Eigenbrötlern absah die die Abgeschiedenheit zur restlichen Menschheit liebten. Rea war genauso wenig besiedelt wie erforscht, was einer der Gründe war, daß das Geologenteam hoffte hier fündig zu werden.
Sie waren inzwischen weit ins Innere des Kontinents vorgedrungen und in einem sehr unwegsamen Gebiet angelangt. Ihre Fahrzeuge hatten sie bereits vor vier Tagen zurückgelassen, da es nur mehr zu Fuß ein weiterkommen gab. Die ganze Ausrüstung mitzuschleppen war eine Tortur gewesen, die man keinen Menschen an den Hals wünschte. Zu Mittag hatten die Geologen einen Platz gefunden, der ihnen vielversprechend erschien und sie hatten das Lager aufgeschlagen.
Bernhard Reiter war als Techniker mitgekommen. Ihm oblag es die Echolots und anderen Forschungsergebnisse in die Computer einzugeben und das Ergebnis berechnen lassen. Außerdem war er der Mann vor Ort, der gerufen wurde wenn irgendein Gerät wieder einmal den Geist aufgab und das passierte oft. Wenigstens blieben ihnen Probebohrungen erspart, ein Hoch auf den Fortschritt. Die Oberflächenanalyse, sowie die seismischen und Echolotmessungen waren so genau, daß sich der Aufwand eine ganze Tiefenbohrausrüstung mit Mannschaft hier her zu schaffen erübrigte.
Gerade eben hatte er die ersten Proben und Vermessungen erhalten. Er hatte seinen Computer mit den Daten gefüttert und das Analysegerät angeworfen. Die Berechnung würde einige Zeit in Anspruch nehmen, also meldete er sich beim Forschungsleiter ab und erkundete die Umgebung auf eigene Faust. Niemand sah ihn mehr schief an, wenn er das Lager verließ und erst ein, zwei Stunden später wieder auftauchte. Er hatte das an jedem ihrer Test-Orte getan. Scheinbar hatten sich die Anwesenden damit abgefunden das er einen kleinen Tick hatte, oder sie dachten sich er würde einfach einen Ausgleich zum Arbeiten an seinen Geräten brauchen. Oder sie waren der Meinung das er komplett irre war, immerhin waren sie vier Tage quer durch die Landschaft gestapft mit all ihre Ausrüstung auf dem Rücken. Viele der Wissenschaftler konnten wohl keinen Schritt mehr tun.
Bernhard hatte gegrinst, als sie den Lagerplatz in dieser Steinwüste auserkoren hatten und sich innerlich gefragt, ob das Gebiet wirklich erfolgsversprechend war, oder sie einfach nur nicht mehr weiter konnten und darum eine Erholungsphase benötigten. Ihm war das aber egal, er hatte kein Problem mit den Märschen. Sein Körper war drahtig und athletisch, beinahe kein Fett auf den Rippen und durchtrainiert. Er nahm regelmäßig an Wettkämpfen teil, Laufen, Schwimmen, Klettern, Radfahren, worauf er gerade Lust hatte. Wenn er lange ruhig sitzen mußte, wurde er nur unruhig.
Bisher war er eine halbe Stunde unterwegs und hatte schon eine Seite des Geländes erkundet. Das Ergebnis: Berge, Felsen, Geröll, Schiefer, keine ebene Fläche, egal wo man hinsah nur unwirtliche Landschaft. Er hatte seinen kleinen Handcomputer gezückt und sah sich ein Satellitenfoto an, das erst wenige Stunden alt war. Auch in einem Umkreis von zwanzig Kilometern gab es nichts was auch nur annähernd an praktikabel grenzte. Sollten sie hier fündig werden würde es Milliarden verschlingen an diesem Platz Erz zu fördern.
Robert wanderte noch eine Stunde durch die Landschaft, ehe er ins Lager zurück kehrte. Er betrat sein Zelt und setzte sich an seinen Computer, der inzwischen bereits fleißig die Daten verarbeitet hatte. Es würde nur mehr ein paar Minuten dauern bis er mit den Berechnungen fertig war. Robert holte sich noch einen Kaffee und einen Kraftriegel aus dem Verpflegszelt und setzte sich dann wieder an den Rechner.
Er hatte noch nicht ganz fertig gegessen als das Ergebnis auf dem Monitor erschien. Interessiert betrachtete er die Werte. Robert war kein Geologe, aber er war nun lange genug dabei um sich ein Bild machen zu können, außerdem hatte er sorgfältig recherchiert nachdem er den Auftrag angenommen hatte.
Er bemerkte eine leicht erhöhte Konzentration von Ytterbium in etwa einem Kilometer Tiefe. Nachdenklich studierte er die Daten. Soviel er bisher miterlebt hatte, würde diese Ausbeute nicht reichen um das Interesse der Geologen zu erregen. Schnell griff er auf das öffentliche Netzwerk zu und erkundigte sich über das Metall. Was er las war durchaus interessant. Die anderen Staaten würden sich um das Metall reißen, wenn es genug davon gäbe.
Robert betrachtete noch einmal die Analyse. Vielleicht konnte er doch noch genug davon im Boden finden, wenn er die Variablen ein wenig ausweitete, die Scanner ein wenig modifizierte. Schnell veränderte er die Einstellungen und ließ sich das Ergebnis neu berechnen. Zwei Stunden später hatte er einen neuen Bericht. Er lächelte. Das Ergebnis würde den Geologen große Freude bereiten und ihm einen netten Bonus für den positiven Abschluß ihrer Mission einbringen.


1. Oktober 2501
Fatima
Schutzbündnis

Dieses abgelegene Teehaus am Rande von Iona, der planetaren Hauptstadt Fatimas, war bekannt dafür ein Treffpunkt von Draconis-Kombinat-Befürwortern zu sein. Hier trafen sich die Leute, die der Meinung waren, daß ein Anschluß ans Reich des Drachen der richtige Weg für Fatima war. Es wurde oft bis spät in die Nacht darüber diskutiert, wie man diesen realisieren konnte. Politische Aktionen wie Aufmärsche, Streiks und Demonstrationen wurden oftmals hier geplant und dann auch umgesetzt, bisher jedoch ohne nennenswerte Erfolge. Die närrischen Massen im Schutzbündnis dachten wirklich, sie seien alleine besser dran. Ein Irrglaube den nicht einmal die lyranischen Anhänger ernst nahmen. In dieser einen Hinsicht waren sich die Draconier-Unterstützer mit den Lyranern einig. Doch auch diese waren geblendet. Die Lyraner propagierten einen erfolgreichen Handelsstaat, der aus verschiedenen Handelshäusern gegründet worden war. Kapitalismus war ihr Glaube und ihre Triebfeder.
Die Lyraner hatten keine Ehre, sahen nicht das große Ganze sondern waren alle nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Sie würden niemals verstehen warum es nichts Ehrenvolleres gab als für den Drachen einzutreten, für das Wohl des Kombinats zu arbeiten und dafür zu kämpfen den Drachen stärker zu machen. Es gab nicht wenige, die der Meinung waren, daß man diese Kapitalisten genauso entfernen müsse wie die aktuelle Regierung.
Gerade eben fand wieder eine heftige Diskussion statt, die inzwischen im ganzen Teehaus um sich gegriffen hatte.
„Die sogenannten subPräsidenten und unser hochgelobter Erster Vorsitzender wollen nicht wahrhaben, daß sie in einer Traumwelt leben. Wenn der Drache an unseren Grenzen steht wird er wie eine Woge über die Welten des sogenannten Schutzbündnisses hinwegschwappen. Es wird ein glorreicher Tag sein, aber diese Narren werden sich dem entgegen stellen und es wird unzählige Tote geben.“
Viele stimmten lauthals zu, während ein anderer der Anwesenden das Wort ergriff: „Nicht das ich traurig wäre wenn diese Bakas das bekommen, was sie verdienen. Aber es würde uns sicher das Wohlwollen des Drachen einbringen, wenn wir ihm bereits den Weg bahnen. Es darf nicht geschehen das wir in den Wirren dieser Bakas ebenso leiden. Wir müssen dem Drachen unsere Treue und unsere Unterstützung signalisieren, schon bevor er kommt um uns von diesen Narren zu befreien.“
„Wir werden gesehen. Jede Woche gehen wir auf die Straße, jedes Monat organisieren wir Treffen und Veranstaltungen.“
„Das ist aber nicht genug!“
„Und was schlägst du vor? Sollen wir etwa das Parlament stürmen? Sollen wir die Anhänger der Kapitalisten am nächsten Baum aufhängen?“
„Wenn es sein muß, ja, das sollten wir! Wir müssen auf uns aufmerksam machen!“
„Das wäre Wahnsinn. Sie würden uns als Terroristen abstempeln und unsere Versammlungen verbieten. Sie würden uns einsperren oder schlimmeres!“
Immer weiter peitschte sich die lautstarke Diskussion auf. Inmitten dieses Gewirrs hin und her schreiender Stimmen saß ein asiatischer Mann mittleren alters. Er hatte eine Bronzefarbene Haut, glattes, kurz geschnittenes Haar und trug einen scheinbar handgeschneiderten, traditionellen Anzug. Er verfolgte die Gespräche rings um sich aufmerksam, schwieg aber und wirkte wie ein Fels in der Brandung.
Als es später wurde leerte sich das Teehaus langsam und außer einigen hartgesottenen Extremisten war so gut wie niemand mehr zugegen. Der Mann im Anzug erhob sich von seinem Platz und trat an den Tisch, an dem die Person saß, welche selbst Anschläge und Morde als gerechtfertigt angesehen hatte.
„Konichi-wa die Herren“, er verbeugte sich vor den vier Männern am Tisch, jedoch nicht allzu tief. „Ich habe ihren Ausführungen in der vorhergehenden Diskussion aufmerksam gelauscht und würde mit ihnen gern einige Dinge besprechen, wenn es den Herren genehm wäre.“
Der Rädelsführer betrachtete den Mann eingehend: „Und mit wem haben wir das Vergnügen?“
„Verzeiht meine Unhöflichkeit, natürlich. Mein Name ist Akio Kobayashi.“ Er verneigte sich abermals leicht. Seine Gegenüber erwiderten die Verbeugung ebenso wenig tief wie dieser.
„Dann nehmt Platz und trinkt etwas Sake mit uns. Ich bin Gou, das sind Hiroto, Kaito und Kan. Ihr kommt nicht von hier, oder?“
Akio nahm die Schale Sake die ihm gereicht wurde und nickte freundlich: „Hai, Gou-san. Das stimmt. Ich kam nicht umhin der geführten Diskussion zu lauschen.“
„Und, wie stehst du dazu, Akio? Du bist doch kein Spion oder so, oder?“ Der als Kan bezeichnete Mann hatte diese Frage gestellt und beäugte ihn nun mißtrauisch.
Kobayashi sah ihn ernst an als er antwortete: „Aber sicher bin ich das, Kan-san.“
Die Männer sahen ihn kurz entgeistert an, ehe sie in Lachen ausbrachen. „Da Kan, das hast Du nun von deinen dummen Fragen.“ Kaito boxte ihn lachend in die Schulter und hob seine Schale mit Sake, prostete der Runde zu und leerte sie in einem Zug. „Und was machst du nun wirklich, Akio?“
Der Mann im Anzug nippte noch einmal an seiner Sake: „Nun, ich besuche alle Planeten des Schutzbündnisses um Kontakte zu knüpfen. Als Agent benötigt man Rückhalt im Volk, wenn man einen Umsturz erreichen will. Aus diesem Grund bin ich auch hier und rede nun mit euch.“
Die vier Männer lachten abermals, doch verging es ihnen zusehends, als der Fremde keine Miene verzog.
„Du ziehst uns noch immer auf, Akio, oder?“ fragte Gou.
Er schüttelte den Kopf: „Keineswegs, Gou-san. Alles was ich bisher gesagt habe war die Wahrheit. Ich bin im Auftrag des Drachen hier um das Schutzbündnis darauf vorzubereiten ins Kombinat eingegliedert zu werden.“
Gou und seine Freunde starrten ihn beinahe ehrfürchtig an. Wie auf ein stilles Kommando hin rutschten sie rückwärts vom Tisch weg und verneigten sich tief vor Akio. „Verzeiht, Kobayashi-sama“, sprach Gou für seine Freunde und sich. „Wir wußten nicht wer ihr seid. Es ist uns eine Ehre einen offiziellen Vertreter des Drachen in unserer Mitte zu haben.“
Kobayashi verneigte sich abermals leicht vor den Männern. „Bitte kommt wieder an den Tisch, Brüder im Herzen. Uns vereint ein gemeinsames Ziel.“
Nachdem wieder alle am Tisch waren wurde eine neue Runde Sake verteilt. Nach einer Weile ehrfürchtigem Schweigens wagte Gou wieder das Wort an ihren Gast zu richten: „Verzeiht meine Neugierde, Kobayashi-sama, aber womit haben wir die Ehre eurer Gesellschaft verdient?“
Akio lächelte die Männer an: „Der Arm des Drachen ist lang und seine Geduld ist grenzenlos. Er plant nicht von heute auf morgen, sondern über Jahre und sogar Generationen hinweg. Das Kombinat ist am erstarken, die Ausbreitung und Eingliederung von immer neuen Welten geht rasch voran. Bald wird sich das Reich bis an die Grenzen des Schutzbündnisses ausgeweitet haben. Bis dahin ist jedoch viel Arbeit zu tun und der Drache braucht treue Diener vor Ort, die bereit sind bis zum Äußersten zu gehen um ihm zu dienen. Ich habe den Gesprächen der letzten Tage hier aufmerksam gelauscht, beurteilt und sondiert, und ich bin schlußendlich zur Entscheidung gelangt das ihr vier würdige Diener des Drachen sein könnt.“
Akio nippte wieder an der Schale Sake um seine Worte ein wenig wirken zu lassen.
„Wir sind ergebene Diener des Drachen und bereit alles für ihn zu tun, zu geben, Kobayashi-sama“, versicherte Hiroto feierlich, alle anderen nickten zustimmend.
„Dessen bin ich mir sicher. Aus diesem Grund möchte der Drache das ihr hier vor Ort eine Zelle bildet, aus treuen Anhängern. Ihr sollt mit euren bisherigen Tätigkeiten fortfahren wie bisher, aber weder mehr, noch weniger. Ihr müßt im Schema bleiben. Wenn ihr euch zurück ziehen würdet, würde das Aufmerksamkeit erregen, würdet ihr mehr tun als bisher, könnte das zu einer Verhaftung oder schlimmeren führen, was die Pläne des Drachen empfindlich stören könnte. Also seid vorsichtig.
Ihr dürft niemanden von eurem Dienst für den Drachen erzählen, je weniger davon wissen, desto sicherer ist es. Im Gegenzug werdet ihr durch das Kombinat unterstützt. Ihr bekommt Ausrüstung und Geld. Wenn die Zeit reif ist, bekommt ihr einen Einsatzbefehl. Egal worum es sich dabei handelt, ihr müßt diesen Auftrag wie befohlen ausführen, und zwar nach Strich und Punkt der Anweisungen. Habt ihr das verstanden?“
Vier „Hai“ ertönten und sie verneigten sich abermals tief vor Akio. Dieser lächelte und nickte seinen neuen Untergebenen zu. Die erste Station seines Auftrages war somit erfolgreich beendet, fünf weitere standen ihm bevor.
„Gut, Brüder, dann laßt uns darauf trinken. Auf die Ehre des Drachen und das Erstarken des Draconis-Kombinats!“

„Die Ausdauer und unermüdliche Arbeit unserer Bürger hat im letzten Jahr einen Aufschwung im gesamten Schutzbündnis mit sich gebracht. Die Agrar-Erträge sind so hoch wie noch nie in der Geschichte der sechs Welten. Einen großen Anteil an diesem Erfolg trägt NewGen-Technologies. Gegründet von Peter Bischof, einem reichen Unternehmer der vor einem Jahr nach Ganshoren einwanderte. Es gelang der Firma innerhalb einer kurzen Zeitspanne ein hochwertiges Produkt zur Schädlingsbekämpfung auf den Markt zu bringen und sich an die Spitze der Pestizidproduzenten des Bündnisses zu stellen. Die größere Ausbeute an Getreide und Korn innerhalb des Schutzbündnisses garantierte der Wirtschaft einen steten Aufschwung und der Export auf Welten außerhalb des Bündnisses konnte voran getrieben werden. Durch die engere Vernetzung der zivilen und staatlichen Strukturen gelang es den Handelsunternehmen unnötige Ausgaben zu minimieren und die gesamte Wirtschaftsstruktur erlebt einen optimierten Aufschwung der auch weiterhin den Wohlstand beflügeln sollte.
Aber nicht alle Menschen sehen die Zukunft so rosig und die Gegenwart nur als kurzes Aufatmen ehe sich wieder alles ändern wird. Erst heute fand hier, auf der Hauptallee vor dem Parlamentsgebäude, wieder ein Aufmarsch der Draconis-Kombinat-Sympathisanten statt. Für Morgen ist bereits eine Demonstration der Lyraner-Fraktion angekündigt. Beide Parteien propagieren den Anschluß an die jeweiligen Häuser, welche sich im letzten Jahr in ihrer Ausdehnung beinahe verdoppelt haben. Es ist absehbar das innerhalb der nächsten Jahre die Grenzen der Häuser an das Schutzbündnis stoßen werden und niemand weiß, wie sie sich dann verhalten werden.
Auch im Parlament gibt es noch immer starke Bewegungen gegen das Schutzbündnis. Erst vorige Woche wurde hier auf Ganshoren durch Abgeordneten Marvin Paschig ein Nichtigkeitsantrag gegen den Vertrag von Orestes offeriert. Paschig gilt als überzeugter Anhänger Haus Steiners und hat bereits vor Entstehung des Schutzbündnisses einen Anschluß Ganshorens an das Lyranische Commonwealth gefordert. Wie zu erwarten war ist auch dieser Antrag wieder an der Mehrheit der Bündnis-Befürworter gescheitert, dennoch verstummen die Stimmen nach Veränderungen nicht, weder im Parlament, noch hier auf den Straßen.
Für Sie vor Ort, Elisabeth Schmidt für Kanal 7.“

Re: Das Schutzbündnis

Mo 15. Okt 2012, 21:37

23. Jänner 2502
Orestes
Schutzbündnis

Seit der Gründung des Schutzbündnisses ging es mit der Wirtschaft steil bergauf. Der Zusammenschluß der sechs Welten hatte die Handelsbeziehungen gefestigt und ermöglichte gänzlich neue Wege. Natürlich bestand der Hauptanteil der Wirtschaft nach wie vor aus der Agrar-Ausbeutung, doch das sollte sich in Zukunft ändern. Präsident Hudson hatte einige seine engsten Vertrauten um sich versammelt, dazu gehörten die subPräsidenten der anderen fünf Bündniswelten, sowie zehn weitere Personen aus ihrem Beraterstab.
Alle hatten sich inzwischen im großen Konferenzsaal des Regierungsgebäudes auf Orestes eingefunden und warteten darauf, daß er die Sitzung eröffnete. Es war für ihn eine große Ehre der erste Vorsitzende des Bündnisses zu sein und er hatte vor während seiner Amtszeit einen bleibenden Eindruck bei der Bevölkerung aller Planeten zu hinterlassen. Würden seine Pläne umgesetzt werden, so würde er den ersten Grundstein legen um eine starke Wirtschaftsmacht aufzubauen, ähnlich den sich gerade ausbreitenden Häusern. Vielleicht wäre es sogar möglich weitere Planeten in das Bündnis aufzunehmen und wer weiß was noch alles möglich wäre.
Hudson wandte sich vom großen Panoramafenster ab, durch das er bis jetzt seine Hauptstadt betrachtet hatte und lächelte in die Runde der versammelten Personen.
„Noch einmal offiziell willkommen auf Orestes. Es freut mich sie alle hier versammelt zu sehen. Hiermit eröffne ich die erste Wirtschaftssitzung im neuen Jahr.“ Er strahlte übers ganze Gesicht und die Versammelten erwiderten dieses Lächeln.
„Große Zeiten kommen auf uns zu, daß waren nicht nur Worte die wir dem einfachen Volk unterjubeln wollten, nein, es ist unser voller ernst. Wir alle wissen, wie es zurzeit dort draußen im bekannten Raum aussieht. Die selbsternannten Häuser breiten sich aus und das zum Großteil nicht friedlich. Wollen wir diesen Sturm heil überstehen, müssen wir jetzt in die Zukunft investieren. Ich habe große Pläne und hoffe auf ihre Zustimmung und Unterstützung, meine Damen und Herren.“
Hudson betätigte ein paar Knöpfe am Schaltpult an seinem Platz und der Raum wurde etwas verdunkelt. Danach erschien in der Mitte des Sitzungsraums ein Hologramm durch den im Tisch integrierten Holoprojektor.
„Wie sie hier sehen können hat die Wirtschaft auf unser Bündnis sehr gut reagiert. Es wurde ein dichteres Netz zwischen unseren Welten geknüpft und den Menschen geht es besser als je zuvor. Jedoch ist das noch nicht das ganze Potential des Schutzbündnisses und ich habe vor noch viel mehr aus unserer jungen Nation zu machen.
Ich werde ihnen nun einige Projekte schildern, welche bisher durch einzelne Planeten im Bündnis betrieben wurden, jedoch erst jetzt durch unsere neue Stärke wirklich realisierbar sind. Beginnen wir mit Morningside.“ Hudson nickte Frau Maier zu, der gewählten Vertreterin von Morningside und somit subPräsidentin im Rat des Schutzbündnisses.
„Auf Rea, dem zweiten Kontinent von Morningside wurde erst vor kurzem durch Geologenteams ein großes Vorkommen von Ytterbium entdeckt. Wie sie vielleicht bereits wissen, ist dieses Metall im Universum eines der seltensten, wird aber für die Herstellung von einigen besonders wichtigen Computerchips verwendet. Diese Chips werden vor allem in technologisch hochgezüchteten Systemen verwendet und von so gut wie jedem Staat importiert. Die Hegemonie würde sicherlich einen Hohen Preis für diese Chips zahlen, die unterschiedlichen Häuser vielleicht sogar noch einen höheren.“
Die subPräsidentin Meier mischte sich in die Erklärungen ein und ergriff das Wort: „Bei hochgezüchteten Systemen sprechen wir wahrscheinlich hauptsächlich von Waffen und Schiffen. Mal davon abgesehen das die Gewinnung des Metalls ein Vermögen verschlingen würde, nachdem das Gebiet alles andere als zugänglich ist, müßte man noch eine Fabrik errichten in der sie dann weiter verarbeitet werden. Aber eine wichtige Frage wäre, wollen wir wirklich unseren Nachbarn die Munition liefern, daß sie dann hier bei uns einfallen können?“
Hudson hob beschwichtigend die Arme: „Ich habe nicht behauptet das wir den Lyranern oder Draconiern diese Chips verkaufen sollten. Ich wollte nur erwähnt haben was sie dafür bezahlen würden. Zum Thema des Abbaus und der Weiterverarbeitung möchte ich Professor Sung bitten seine Erklärungen zu tätigen.“
Am Ende des Tisches erhob sich ein älterer Mann, ordnete seine Akten und räusperte sich, ehe er das Wort ergriff.
„Danke, erster Vorsitzender. Wie subPräsidentin Meier bereits erklärt hat liegt das Vorkommen an einer nicht leicht zugänglichen Stelle Reas. Damit aber nicht genug ist das Vorkommen in relativ großer Tiefe unter harten Granitplatten begraben. Es wäre nötig nicht nur eine komplette Infrastruktur aufzubauen, wobei sich wohl ein eigener Raumhafen vor Ort als, langfristig gesehen, beste Variante anbieten würde, sondern auch eine aufwendige Abbauprozedur und Vorverarbeitungsstelle vor Ort zu errichten. Aus einer Tonne Gestein kann man, nach unseren geologischen Tests, etwa zehn Gramm Ytterbium gewinnen. Ich möchte hierbei anmerken das es sich dabei um eine äußerst hohe Ausbeute handelt, auch wenn sich das jetzt in ihren Ohren nicht so anhören mag. Allein aus logistischen Gründen wäre es eine unglaubliche Verschwendung das Gestein auszufliegen, wie sie mir sicher zustimmen werden. Was ein Problem beim Abbau darstellen dürfte, sollte sich aber als Vorteil für die Errichtung der Infrastruktur ansehen lassen. Der Granit-Untergrund erlaubt es uns direkt auf dem Boden unsere Anlagen zu errichten, nach einer Begradigung selbstverständlich. Dennoch bleibt uns das Ausheben eines Fundaments erspart.
Die vollständige Verarbeitung sollte jedoch nicht mehr vor Ort erledigt werden. Nachdem es schon schwierig genug sein wird das nötige Personal zu finden, welches in den Minen und den Vorfertigungsanlagen arbeiten wird, sollte die Verarbeitung wo anders erfolgen. Anbieten würden sich eventuell die Anlagen hier auf Orestes. Es gibt unweit der Hauptstadt ein brach liegendes Gebiet im Staatsbesitz, welches nahe genug am Raumhafen liegt, wodurch die Transportkosten minimiert werden sollen. Außerdem befindet sich hier auf Orestes bereits eine Kunststoff-Produktionsfirma, über die man leicht die nötigen Platinengrundteile bestellen könnte.“
Der Professor nahm wieder Platz, als er mit seinen Ausführungen am Ende war.
„Danke, Professor“, sagte Präsident Hudson und erhob sich von seinem Sessel. „Wie sie sehen können, haben wir uns durchaus schon einige Gedanken zu dem Projekt gemacht. Sie müssen das langfristig sehen, meine lieben Freunde. Natürlich wird es kein Zuckerschlecken werden, die Anlagen zu errichten und mit der Förderung zu beginnen, aber auf lange Sicht gesehen werden wir dadurch einen steten Strom an Einkommen für die Staatskassa haben. Nach den letzten Hochrechnungen sollte sich der ganze Aufwand nach 4 Jahren wieder komplett negiert haben und dann der Reingewinn mit einem Einkommen von rund 3 Milliarden TH-Noten ergeben.“
„Das mag wohl stimmen, aber bis dahin würde unser Budget sehr darunter leiden. Beinahe der gesamte Staatshaushalt würde in dieses Projekt fließen“, warf subPräsident Schneider von Meacham ein.
Hudson nickte zustimmend: „Das möchte ich auch nicht bestreiten. Wie aber schon gesagt müssen wir auf lange Sicht planen. Außerdem könnten wir das Projekt sicher ein wenig strecken, so daß wir anstelle der bisherigen Berechnungsgrundlage von einem Jahr, zwei Jahre ansetzen bis zur Betriebsaufnahme. Dadurch würde es zwar nicht billiger, aber die Kosten würden auf zwei Jahre aufgeteilt. Außerdem können wir während dieser Zeit eventuell unseren Ausstoß an Getreide erhöhen, wodurch wir mit dem Export an Nachbarplaneten beginnen könnten. Und das bringt mich schon zum nächsten Punkt der Tagesordnung.“
Der Präsident betätigte einige Knöpfe an seinem Pult und das Logo einer Firma erschien als Hologramm in der Mitte des Raumes.
„NewGen-Technologies ist ein noch junges Unternehmen auf Ganshoren. Interessant ist es dadurch, daß es an einem Mittel arbeitet, um den Ertrag an Getreide zu steigern. Der Konzern ist erst ein Jahr alt, hat aber schon ein Insektenvertilgungsmittel auf den Markt gebracht, daß durchschlagenden Erfolg erzielte und somit die Produktivität unserer Agrar-Betriebe um fünfzehn Prozent steigerte. Vor zwei Monaten ging das Unternehmen an die Börse. Es ist ein aufstrebendes, junges Unternehmen, nichts anderes als ein Spiegel unseres Bündnisses.
Die weiteren Pläne NG-Ts klingen vielversprechend, erste Versuche hatten schon positive Wirkungen signalisiert. Die Aktie des Konzerns ist seit dem Börsengang um fünfzig Prozent gestiegen. Laut unseren Quellen steht die Forschungsabteilung NewGens kurz vor dem Durchbruch. Wenn das geschieht, wird sich die Aktie vervielfachen. Wir sollten darüber nachdenken, ob das Schutzbündnis nicht als ein starker Partner in das Geschäft einsteigt. Vielleicht gelingt es uns sogar den Konzern gänzlich aufzukaufen.“
„Einen Betrieb zu verstaatlichen hat in den seltensten Fällen dazu geführt das dieser wertvoller wurde. Der Wettbewerb belebt den Markt, daß wissen wir alle“, sprach subPräsident Kneiss von Dalkeith aus, was viele dachten.
„Für wahr, da muß ich zustimmen. Dennoch sollten wir überlegen Aktien zu erwerben. Wenn sich der Konzern so entwickelt wie geplant, und daran hege ich keinen Zweifel, ist der Gewinn beachtlich.“
„Über welchen Betrag reden wir hier“, stellte Meier die entscheidende Frage.
Hudson zuckte mit den Schultern: „Ich denke einhundert Millionen TH-Noten wäre angebracht.“
Meier zog scharf die Luft ein: „Damit wäre unser gesamtes Jahresbudget verbraucht, mit diesen beiden, von ihnen vorgeschlagenen Projekten. Bis auf wenige Millionen TH-Noten Reserve wäre das Bündnis sozusagen pleite!“
„Aus eben diesem Grund würden wir das Erz-Projekt auch auf zwei Jahre aufteilen. Dadurch wird wieder ein großer Teil des Budgets frei verfügbar. Aber sie dürfen nicht nur die Ausgaben sehen, sie müssen immer im Auge behalten was uns diese Investitionen bringen. Aber nun sollten wir erst einmal die Mittagspause wahrnehmen. Ich habe ein richtiges Festessen vorbereiten lassen und es wäre eine Schande es verkommen zu lassen. Wir haben ja noch einige Tage bis dieses Treffen sich dem Ende zuneigt. Ich bin mir sicher wir kommen zu einer positiven Übereinkunft.“

Re: Das Schutzbündnis

Mi 17. Okt 2012, 09:05

8. Juli 2502
Orestes
Schutzbündnis

Markus Scheidt huschte in die Hinterzimmer des Lustigen Herbert, einer Bar nicht weit vom Regierungssitz entfernt. Er war öfter hier, traf sich mit Arbeitskollegen nach Dienstschluß um noch einen Drink zu nehmen oder eine Runder Poker zu spielen. Markus war eigentlich der Sekretär von Arnold Steiner, dem Parteiobmann der Lyraner-Fraktion im Parlament. Zur gegenseitigen Zusammenarbeit und der Symbolisierung von Einigkeit nach Außen hatten aber alle Abgeordneten halbjährlich einen Sekretär ihres eigenen Zirkels abzustellen, um Dienst für den Staat innerhalb des Regierungsapparates zu tätigen. Dieses war sein halbes Jahr. Es war jedem Bekannt das er ein Befürworter der Angliederung ans Lyranische Commonwealth war, aber er machte seine Arbeit. Außerdem hatten dadurch alle Parteien Einblick in das was im Staat vorging, wenn auch sicher nicht alle Informationen nach Außen drangen.
Als Scheidt das Hinterzimer betrat, wurde er bereits erwartet. Wie immer war der Mann unscheinbar gekleidet. Würde er auf der Straße an ihm vorbei gehen, Markus hätte ihn nicht wahrgenommen. In Wirklichkeit war er aber ein lyranischer Agent. Markus hatte ihn vor einem Jahr kennen gelernt. Sie hatten lange und viel über die Politik gesprochen und erst vor gut zwei Monaten hatte er sich als Agent zu erkennen gegeben. Sein Name war Victor, oder zumindest war das der Name, den er ihm genannt hatte. Am Anfang hatte er ihn für einen Drac-Anhänger gehalten, da sah man wieder wie weit einem Vorurteile bringen konnten. Nur weil Victor offensichtlich asiatischer Abstammung war, war Markus davon ausgegangen das er dem Drachen hinterher laufen würde. Im Nachhinein betrachtet hatte er aber verstanden, daß genau dieses Vorurteil ihn zum perfekten Agent für die Lyraner machte.
Bisher hatte er noch nicht viel für ihn tun sollen. Hin und wieder ein paar Anfragen zu Projekten der Regierung, nicht mehr. Vor ein paar Tagen hatte ihn der Agent wieder kontaktiert. Er hatte ihn informiert, daß in den nächsten Tagen der Geheimdienst des Schutzbündnisses über Aktionen von Kombinat-Sympathisanten einen Bericht anfertigen, und ihn dem Ersten Vorsitzenden vorlegen würde, und heute war es tatsächlich soweit gewesen. Der Lyraner hatte ihm aufgetragen die Akte, wenn sie zur Sichtung zum Ersten Vorsitzenden kam, zu vertauschen, und nach der Abzeichnung wieder zurück zu tauschen. Außerdem sollte er ihm eine Kopie der Akte bringen.
Victor stand auf und reichte ihm die Hand zum Gruß: „Hallo mein Freund.“ Er deute ihm Platz zu nehmen und schenkte ihm aus einer Flasche zwei Finger breit Whiskey ein.
„Victor… ich muß mit dir reden“, kam Markus gleich zur Sache.
Der Agent warf ihm einen kurzen Blick zu und nickte: „Was hast du auf dem Herzen?“
Der Sekretär nahm zuerst einen großen Schluck der bernsteinfarbenen Flüssigkeit, ehe er sprach: „Die Akte, die ich für dich vertauschen sollte, über die Dracs… da geht es um Attentate! Die wollen die lyranische Partei ihrer Führer berauben! Abgeordneter Steiner steht auch auf der Liste!“
„Ganz ruhig, Markus. Ich weiß worum es in der Akte geht. Hast du sie vertauscht und eine Kopie hier?“
Scheidt nickte: „Ja, ich habe getan was du gesagt hast. Ich habe sie zur Unterschrift vertauscht und dann wieder zurück getauscht. Ich habe auch die Kopie hier, aber bist du sicher, daß wir das Richtige tun? Ich meine, der Vorsitzende hat die Akte als unwichtig gekennzeichnet, weil er die Falsche hatte. Jetzt werden die Ziele der Attentate weder beschützt, noch gewarnt. Sie könnten alle sterben, es sind unsere Leute!“
Victor sah ihn beschwörend an: „Markus, beruhige dich! Das wird nicht passieren. Denk doch einmal nach. Warum sollte ich wollen das unsere Unterstützer hier sterben? Der Plan sieht ganz anders aus. WIR werden diese Leute beschützen und dann haben Steiner und seine Freunde alles in der Hand um die schwache Führung des Schutzbündnisses in der Öffentlichkeit zu denunzieren. Du verstehst?“
Ein tonnenschwerer Stein schien von Markus Herz zu fallen und er lächelte den Agenten erleichtert an: „Wunderbar, so ist der Plan. Ich danke dir das du mir gesagt hast was ihr vorhabt. Und ich fühle mich geehrt, daß du mir so vertraust. Ich hatte keine Ahnung wie weitreichende und wie vorausschauend ihr plant.“ Er griff in seine Aktentasche und reichte ihm den Umschlag mit der Kopie des Geheimdienstberichtes.
„Danke, Markus. Du hast deiner Heimat einen großen Dienst erwiesen und uns ein großes Stück näher an unser Ziel gebracht.“
Sie redeten noch eine zeitlang über die Zukunft und welche Möglichkeiten sich für sie ergeben würden, sobald das Schutzbündnis ins Commonwealth eingegliedert wäre, ehe sie sich verabschiedeten und Markus nach Hause ging.
Als der Sekretär zehn Minuten weg war, griff Victor zu seinem Mobiltelefon und wählte eine Nummer, ließ es zweimal läuten und legte auf. Weitere zehn Minuten später betrat ein anderer Mann, ebenfalls asiatischer Abstammung, den Raum. Sie verneigten sich voreinander, ehe sie Platz nahmen.
„Wir haben die Unterlagen. Der Geheimdienst wird nicht einschreiten.“
„Das sind hervorragende Neuigkeiten, endlich ist es soweit und niemand wird uns in die Quere kommen. Soll ich den Stein ins Rollen bringen?“
Der Agent nickte: „Hai, Kenta-san. Wir köpfen unsere Gegenspieler und bereiten alles für die Ankunft des Drachen vor. Bald schon wird er uns in seinem Reich willkommen heißen.“
Kenta strahlte übers ganze Gesicht und verneigte sich tief vor dem Agenten: „Es ist eine unbeschreibliche Ehre daran teilzuhaben. Ich werde sofort zur HPG-Station aufbrechen und die Nachrichten weiterleiten. Alles wird so geschehen wie es von euch geplant wurde. Die Drachensöhne werden euch nicht enttäuschen, Kobayashi-sama.“
Akio lächelte ebenfalls, verneigte sich leicht und entließ Kenta mit einem Nicken.

Re: Das Schutzbündnis

Fr 19. Okt 2012, 15:48

16. November 2502
Orestes
Schutzbündnis

Aufnahmen eines durch Polizisten abgeriegelten Restaurants, während ein Leichensack herausgetragen wird.
„Heute wurde das Schutzbündnis von einem Terrorakt unglaublichen Ausmaßes heimgesucht. Gegen 15 Uhr TNZ wurden auf allen Bündnisplaneten Attentate auf hohe Regierungsmitglieder ausgeübt. Dabei kamen 28 Menschen ums Leben. Auffällig an den Attentaten ist, daß nur Angehörige der Lyranerparteien Ziel der Anschläge waren. Hier auf Orestes fielen Abgeordneter Arnold Steiner, seine Frau Maria und sein Sekretär Markus Scheidt den Attentätern zum Opfer als sie gerade im Restaurant Caorle zu Abend aßen. Augenzeugenberichten zufolge stürmten fünf schwer bewaffnete Männer in das Lokal und eröffneten sofort das Feuer auf den Abgeordneten und seine Begleitung. Es wurden durch Irrläufer weitere drei Personen leicht und eine schwer verletzt. Der Erste Vorsitzende verurteilte die Anschläge aufs heftigste und versprach eine bedingungslose Aufklärung.“
Umblendung auf ein Rednerpult, hinter dem der Erste Vorsitzende, Präsident Hudson steht: „Diese Anschläge auf unsere Freiheit werden nicht hingenommen. Ich versichere ihnen das es zur vollständigen Aufklärung dieser Attentate kommen wird und die Terroristen dafür bezahlen werden.“
Umblendung auf die Reporterin.
„Inzwischen herrscht im Parlament ein Aufruhr. Die lyranische Partei, ihrer Anführer beraubt, fordert Vergeltung und die Absetzung der, Zitat: Unfähigen Regierung in ihren lächerlichen Bestrebungen einen nichtexistenten Schutz zu gewährleisten. Zitat Ende. Ebenfalls fordern sie vehementer als je zuvor den Anschluß an das Commonwealth und beschuldigen sogar die Regierung selbst die Attentate angeordnet zu haben um ihrer Bewegung zu schaden. Ebenso fordern die Draconier-Vertreter im Parlament ihrerseits die Auflösung des Schutzbündnisses und den Anschluß ans Kombinat, ebenfalls mit der Begründung das die Regierung nicht fähig ist für den Schutz der sechs Planten des Bündnisses zu sorgen. Die Stimmung ist so angespannt wie schon lange nicht mehr und damit wohl die erste wirkliche Bewährungsprobe unseres jungen Staates.
In Gedenken an die Opfer diesen Anschlages gibt es um 21 Uhr einen Zusammenschnitt unseres Studios über die Taten und das Leben unserer ersten Opfer der Demokratie.
Für Sie vor Ort, Elisabeth Schmidt für Kanal 7.“

„Wie konnte das passieren?“ Hudson brüllte seinen Zorn hinaus und der Polizeipräsident ihm gegenüber wäre wohl am liebsten im Boden versunken um seiner Wut zu entgehen.
„Aber Herr Präsident, es gab keine Anzeichen dafür. Nicht einmal der Geheimdienst hat eine Warnung hinaus gegeben. Wie hätten wir so etwas vorhersehen sollen?“
Hudson funkelte ihn an: „Das ist ihr verdammter Job! Wie stehen wir jetzt da? Und wo zur Hölle ist König?“
In diesem Moment öffnete sich die Tür und der Geheimdienstleiter, Walter König, betrat den Raum, eine Akte in seiner Hand.
„Verzeihen sie meine Verspätung, Herr Präsident, aber ich mußte zuerst noch eine Akte suchen.“
„Schön, jetzt sind ja alle da. Dann noch einmal: Wie konnte das passieren?“ Die Wut des Präsidenten hatte um nichts nachgelassen, aber er brüllte zumindest nicht mehr.
Dennoch schien der Zorn an König abzuprallen, als hätte er einen unsichtbaren Schutzschild um sich.
„Nun, Präsident, es ist nicht so, daß wir nicht die Befürchtung hatten, so etwas könnte passieren.“
„Wie bitte?“ Hudson sah ihn ungläubig an. „Und warum haben sie dann nichts unternommen?“
„Der Bericht wurde vor etwa einem Monat ihnen vorgelegt, Herr Präsident, doch sie haben ihn als unwichtig abgezeichnet. In ihm wird vor möglichen Anschlägen durch Draconis-Sympathisanten gewarnt.“
„WAS?“ brüllte Hudson nun wieder. „Mir wurde nie so ein Bericht vorgelegt, daß wüßte ich doch.“
König trat an seinem Tisch und legte die Akte vor ihm ab. Er schlug die erste Seite auf, auf der sich die Unterschrift Hudsons befand mit der Anmerkung das diese Lappalie nicht weiter verfolgt werden sollte. Perplex nahm der Präsident Platz und blätterte durch den zwanzig Seiten langen Bericht.
„Das… das kann nicht sein! Ich habe diesen Bericht nie gesehen, daran könnte ich mich doch erinnern!“
„Die Unterschrift auf dem Deckblatt ist echt, wir haben das kontrolliert, Herr Präsident. Dieser Bericht wurde ihnen vorgelegt, und zwar am 8. Juli. Wir haben den Weg zurück verfolgt. Der Bericht wurde von unserer Abteilung an das Sekretariat um 0900 überstellt. Von dort wurde er durch Markus Scheidt, einem der Opfer des Anschlages, bei ihnen vorgelegt. Um 1300 wurde der Akt unterschrieben an uns zurück übergeben. Durch die Anmerkung ihrerseits wurde er als unwichtig eingestuft und abgelegt“, erklärte der Geheimdienstchef.
„Bei allen Göttern, ich kann mich nicht daran erinnern diesen Bericht gesehen zu haben.“ Hudson lehnte sich in seinem Sessel zurück und massierte seine Augen, während die beiden anderen Männer auf seine Entscheidung warteten. Er stand auf und trat an das Fenster, betrachtete fünf Minuten seine Stadt, ehe er sich wieder den beiden Männern zuwandte.
„Wir müssen das geheim halten. Wenn das an die Öffentlichkeit gelangt, wenn jemand erfährt, daß wir es verhindern hätten können, dann würde das alles zerstören wofür wir die letzten Jahre gekämpft haben. Rollen sie den Fall neu auf, finden sie diese Drac-Zellen und räuchern sie sie aus. Wir müssen ein Exempel statuieren und den Menschen zeigen, daß wir sie schützen können. Alles hängt jetzt davon ab, daß wir die Sache gerade biegen. Enttäuschen sie mich nicht, denn wenn sie das tun, werden wir alle dafür bezahlen.“

Re: Das Schutzbündnis

Mo 22. Okt 2012, 17:22

27. Mai 2503
Fatima
Schutzbündnis

Das Einsatzteam war bereit. Sie warteten nur mehr auf das Kommando. Dann kam es. Schnell rückten sie vor. Zwei Männer links, einer rechts von der Tür. Der vierte brachte eine kleine Sprengladung an und ging dann auf die rechte Seite.
„Bereit“, flüsterte der Teamleader in sein Kehlkopfmikrophon.
„Alle Teams Bereit“, kam die Antwort vom Einsatzleiter. „Zugriff auf drei, zwo, eins, ZUGRIFF!“
Die Sprengladung an der Tür wurde gezündet, sofort wurde vom Mann links an der Tür ein Flashbang in den Raum geworfen. Eine Sekunde später gab es einen weiteren Knall und die vier Männer stürmten in den Raum.
„Polizei! Auf den Boden! Auf den Boden!“ brüllten sie in einer Tour. Schnell waren die zwei Männer innerhalb des Raumes überwältigt und mit Kabelbindern fixiert. Sofort rückten sie in den nächsten Raum vor, ein kleiner Lagerraum. Hinter einer Kiste hechtete ein Mann hervor, eine Maschinenpistole im Anschlag.
„Waffe!“ brüllte einer der Polizisten und eröffnete das Feuer.
Der Mann wurde in der Brust getroffen und wieder hinter die Kiste geschleudert. Sofort rückten die Polizisten nach und fesselten den Mann.
„Vorraum und Lagerraum sicher, ein verletzter Verdächtiger“, meldete der Teamleader.
„Rückwärtiger Abstellraum und Keller sicher, keine verletzten“, meldete der Leader des zweiten Teams.
„Schuppen gesichert, keine verletzten“, meldete der Leader des dritten Teams.
„Gesamtes Gelände gesichert. Notarzt rückt nach“, faßte der Einsatzleiter zusammen.
Der Teamleader des ersten Teams fühlte den Puls des Verwundeten und schüttelte den Kopf, während seine Männer weiterhin sicherten.
„Hauptmann, das hier sollten sie sich vielleicht ansehen“, meldete sich der Leader des dritten Teams aus dem Schuppen im Funk.


Orestes

Die Reporterin vor dem Regierungsgebäude auf Orestes.
„Heute fanden auf allen Planeten des Schutzbündnisses präzise geplante Polizeiaktionen statt, die zur lückenlosen Aufklärung der Anschläge vom 16. November führen sollen. In mehreren Kommandoaktionen wurden eine unbekannte Anzahl an Verstecken von Terroristen auf allen sechs Planeten gestürmt, mehrere Personen festgenommen und Unmengen an Beweismaterial sichergestellt.“
Bilder von Polizisten die kistenweise Beweise aus einer Lagerhalle zu Fahrzeugen tragen.
„Bei den Kommandoaktionen gab es auch Schußwechsel zwischen den Beamten und den Terroristen, bei denen es sich nach ersten Berichten um Anhänger des Draconis-Kombinats handeln soll, die einen Anschluß an das Kombinat erreichen wollten. Vier Verdächtige wurden getötet, drei verletzt. Bei der Aktion verlor ein Beamter das Leben. Präsident Hudson spricht von einem durchschlagenden Erfolg und lobt seine Untergebenen.“
Umblendung auf den Ersten Vorsitzenden hinter einem Rednerpult.
„Vor einigen Monaten versprach ich, daß die Verantwortlichen für die Attentate auf unsere Mitbürger nicht ungescholten davon kommen würden, und heute wurde ich meinem Versprechen gerecht. Es wurde eine weit verzweigte, im gesamten Schutzbündnis bisher unerkannt operierende Terrororganisation ausgeräuchert und die Drahtzieher in Gewahrsam genommen. Die Beweise sprechen eine klare Sprache, doch will ich den Ermittlungen nicht vor greifen und auf die Ergebnisse warten, ehe ich sie ihnen bekannt gebe. Ich möchte an dieser Stelle ein großes Lob an unsere Polizeikräfte und den Geheimdienst aussprechen. Beide Dienste haben innerhalb kürzester Zeit eine Organisation dingfest gemacht, von der wir bis vor kurzem noch nicht einmal gewußt haben, daß sie existiert. Heute haben wir bewiesen das wir bestehen können und Bedrohungen, egal ob von Innen oder von Außen, uns niemals in die Knie zwingen werden.“
Rückblende auf die Reporterin.
„Nach seiner Ansprache wurde noch einmal eine Schweigeminute für die Opfer des Terroranschlags am 16. November 2502 gehalten. Der Erste Vorsitzende versprach eine schnelle und gründliche Sichtung der Beweise, um etwaige Hintermänner der Terrorzellen ausfindig zu machen und für ihre Verbrechen an den freien Bürgern des Schutzbündnisses vor Gericht zu stellen.
Sobald sich Neuigkeiten über den Fortschritt dieser Ermittlungen ergeben, erfahren sie sie zuerst hier bei uns.
Für Sie vor Ort, Elisabeth Schmidt für Kanal 7.“

Re: Das Schutzbündnis

Mi 24. Okt 2012, 17:37

1. Juni 2503
Orestes
Schutzbündnis

„Also, meine Herren, was haben sie für mich?“
Der Erste Vorsitzende deutete seinen Untergebenen auf der Eckbank Platz zu nehmen, während er sich in das Fauteuil setzte.
Walter König räusperte sich, ordnete noch einmal die Akten vor ihm am Tisch und begann dann mit seinem Bericht: „Wie wir geplant haben, konnten wir mit einem Schlag das gesamte Netzwerk ausheben. Zumindest weist nichts darauf hin, daß wir eine Zelle übersehen hätten. Die Verhöre laufen noch, allerdings bringen sie nichts Neues mehr zu Tage. Im Grunde handelt es sich bei allen um fanatische Anhänger des Kombinats, deren Ziel es war die Planeten des Schutzbündnisses auf einen Anschluß ans Reich des Drachen vorzubereiten. In allen Verhören fällt immer wieder ein Name, Akio Kobayashi, der Drahtzieher hinter den Terrorzellen. Er soll ein Agent des Draconis Kombinats sein, jedoch können wir mit Sicherheit davon ausgehen, daß das nicht sein richtiger Name ist. Dafür sind wir uns seiner Herkunft sicher. In den Verstecken wurde eine nicht unerhebliche Anzahl an Waffen aus draconischer Fertigung gefunden. Scheinbar hätten sie noch schlimmeres geplant gehabt. Wir fanden neben Pistolen und Sturmgewehren auch Handgranaten, sowie einige Panzerabwehrwaffen. Außerdem wurde noch etwas Geld sicher gestellt, einige Tausend TH-Noten. Wir haben die Noten zurückverfolgt und herausgefunden, daß sie von einer Bank hier auf Orestes stammen. Sie wurden gegen Draconische Währung umgetauscht, im Namen eines freien Händlers. Es war leider nicht mehr zurückverfolgbar wie dieser Händler hieß, aber wir können davon ausgehen das auch hier Kobayashi dahinter steckt.“
Hudson rieb sich die Hände: „Also ein durchschlagender Erfolg. Zu schade, dass wir nicht diesen Agenten auch noch dingfest machen konnten, aber vielleicht gelingt uns das noch. Aber auch so ist es ein Sieg auf ganzer Linie.“ Der Präsident warf seinem Geheimdienstchef einen kritischen Blick zu. „Ihrem Gesichtsausdruck entnehme ich, daß es aber noch eine unerfreuliche Nachricht gibt?“
„Leider ja, Herr Präsident“, antwortet dieser. „Wir haben in einem der Lager auch Zuchtbecken für Insekten gefunden. Anhand einiger toter Insekten vor Ort konnten wir sie mit Hilfe von NewGen-Technologies identifizieren. Es handelt sich dabei um den Etanis-Käfer, einem Insekt das von Sutama stammt, einen Planeten der sich seit einigen Jahren unter der Kontrolle des Draconis-Kombinats befindet. Sutama ist ein sehr karger Planet, wenige Pflanzen können sich auf seiner Oberfläche behaupten und im Wesentlichen wurde der Planet nur wegen seiner Mineralvorkommen besiedelt. Diese lebensfeindliche Umgebung machte aus dem Etanis-Käfer eine sehr robuste Spezies und damit zu einer unglaublichen Plage für die wenigen Agrar-Betriebe vor Ort.“
Hudson folgte den Ausführungen Königs und schüttelte verständnislos den Kopf: „Was wollten diese Terroristen mit solchen Käfern?“
Der Geheimdienstchef schien eine Weile zu zögern, ehe er auf diese Frage einging: „Wir befürchten einen noch viel größeren Terrorakt, als den, den wir erlebt haben. Es wird befürchtet, daß diese Fanatiker die Käfer auf unseren Welten ausgesetzt haben um unsere Agrarwirtschaft empfindlich zu treffen.“
„Mein Gott, wir müssen das verhindern!“ Der Präsident sprang erschüttert von seinem Fauteuil auf und tigerte im Raum auf und ab. „Das ist eine Katastrophe! Wir würden unsere Haupteinnahmequelle verlieren. Wir könnten unser Volk nicht mehr ernähren. Was ist mit NewGen, ist ihr Mittel gegen diese Käfer effektiv?“
König schüttelte den Kopf: „Leider nein. Die ersten Tests haben ergeben, daß diese Spezies gegen das derzeitige Produkt resistent ist. Bischof hat uns versichert, sie werden sofort an einem neuen Mittel arbeiten, aber das dauert. Wir können davon ausgehen, wenn die Käfer wirklich schon verbreitet wurden, werden wir einen Großteil unserer Ernte dieses Jahr verlieren, ehe das neue Pestizid soweit ist.“
Hudson stand das Entsetzen über die neueste Entwicklung ins Gesicht geschrieben. Er fuhr sich mit der Rechten durch das Haar und schien angestrengt nachzudenken.
„Wir müssen eine Krisensitzung einberufen. Außerdem muß ich sofort mit unserem Wirtschaftsstab sprechen. Wir müssen mit der Mine auf Morningside fertig werden und die Produktion ankurbeln. Außerdem müssen wir Abnehmer für unsere Waren finden und das so schnell wie möglich. Die einzige Chance das heil zu überstehen hängt jetzt davon ab, daß wir so genug Geld einnehmen um Getreide zuzukaufen. Wir haben viel zu tun, eilen wir uns.“


22. Juli 2503
Orestes
Schutzbündnis

Bilder von zerfressenen Maisfeldern auf Orestes.
„Das Schutzbündnis wird von einer Schädlingsplage ungeahnten Ausmaßes heimgesucht. Laut Regierung handelt es sich dabei um den letzten Anschlag der Terroristengruppe, welche vor einem Monat durch die Polizei dingfest gemacht wurde. Die Schädlinge sind bekannt als Etanis-Käfer und stammen aus dem Draconis-Kombinat-Raum. Wie von der Regierung veröffentlicht handelte es sich bei den Terroristen um Extremisten, die den Anschluß an das Kombinat erreichen wollten. Allen Anschein nach wurden sie von Agenten des Kombinats dabei unterstützt und mit Ausrüstung und Geldmitteln beliefert. Nachdem der Etanis-Käfer auf den Welten des Bündnisses nicht heimisch ist, wird auch davon ausgegangen das er durch eben jene Agenten eingeschleppt wurde. In einer bewegenden Rede versicherte der Erste Vorsitzende, Präsident Hudson, daß die Regierung alles in ihrer Macht stehende unternehmen wird, um die drohende Hungersnot zu verhindern.“
Umblendung auf Präsident Hudson der eine Rede hält.
„Wir versichern allen Bürgern, daß alles unternommen wird um dafür zu sorgen, daß niemand hungern muß. Für so einen Fall haben wir bereits vor zwei Jahren begonnen Vorkehrungen zu treffen und unserer Nation ein zweites Standbein aufzubauen. Auf Monrningside wurde eine ergiebige Quelle eines äußerst seltenen Minerals erschlossen. In den nächsten Tagen wird mit der Förderung begonnen und das Material dann zu hochwertigen Produkten verarbeitet. Durch die Einnahmen des Verkaufes wird es uns möglich sein Getreide zuzukaufen, solange bis diese Krise überwunden ist.“
Umblendung auf die Reporterin.
„Während die Draconier-Fraktion im Parlament schwer mit den Vorwürfen zu kämpfen hat, die die Terrorakte mit sich gebracht haben, muß auch Präsident Hudsons Bündnis-Partei mit einigen Verlusten an Stimmen kämpfen. Die katastrophale Entwicklung der letzten Monate hat viele Menschen verunsichert und an der Stabilität des Bündnisses zweifeln lassen. Einzig die lyranische Fraktion konnte ein paar wenige Stimmen gut machen. Wie sich der Trend in der Regierung nun weiter entwickelt hängt wohl vor allem vom Erfolg der Pläne Präsident Hudsons und seiner subPräsidenten ab. Ihre Garantie der Besserung ist ihre stärkste Waffe im Tumult der Zeit und sollte diese versagen, sind die Auswirkungen noch nicht absehbar.
Für Sie vor Ort, Elisabeth Schmidt für Kanal 7.“

Re: Das Schutzbündnis

So 28. Okt 2012, 21:04

2. November 2503
Orestes
Schutzbündnis

Präsident Hudson saß niedergeschlagen in seinem großen Lehnsessel, vor ihm diverse Berichte aus dem gesamten Schutzbündnis verteilt. Sein Traum von einem vereinten, starken Bündnis stand vor dem Aus. Egal wie es enden würde, er würde den Rest seines Lebens mit der Schande leben müssen das Leben von Millionen zerstört zu haben.
Hungersnöte waren auf den Welten des Bündnisses ausgebrochen und das gesamte Budget war bereits aufgebraucht. Vor drei Monaten hatte er die nächste Hiobsbotschaft erhalten. Das angeblich ergiebige Ytterbium-Vorkommen auf Mornigside hatte sich vom erhofften Millionengewinn in ein bodenloses Loch verwandelt, in dem die letzten Jahre Milliarden an TH-Noten geflossen waren. Und nun hatte er die nächste Mißwirtschaft befohlen, aber er hatte keine andere Wahl. Er hatte angeordnet die Aktienpakete zu verkaufen, die der Staat an NewGen-Technologies hielt. Durch den Schaden den die Etanis-Käfer angerichtet hatten, hatte das Unternehmen an der Börse starke Einbußen hinnehmen müssen und die Aktien waren nur mehr halb soviel wert, wie zum Börsengang. Für Hudson war es noch schlimmer, da das Schutzbündnis erst in das Geschäft eingestiegen war, als die Aktie bereits gestiegen war, doch sie benötigten jede TH-Note die sie bekommen konnten um Essen für die Hungernden nachzukaufen.
Laut Peter Bischof, dem Eigentümer des Konzerns, würden sie bis zum nächsten Frühjahr ein Mittel gegen den Etanis-Käfer in großem Maßstab produzieren können. Dann würde die Aktie wieder ansteigen und die nächste Ernte würde wieder Ertrag abwerfen, aber sie benötigten das Geld jetzt, nicht erst Ende nächsten Jahres.
Wie nicht anders zu erwarten waren Hudson und seine Bündnis-Partei in den Umfragen tiefer denn je, sogar schon gleichauf mit der Lyraner-Partei. Die Draconis-Partei hatte sich von dem Schlag durch die Terroristen bis heute noch nicht erholt und spielte keine wirklich nennenswerte Rolle mehr in der Politik. Vom Volk wurden sie für die Angriffe der Extremisten und der derzeitigen Hungersnot verantwortlich gemacht. Wenn nicht ein Wunder geschah, dann wußte Hudson nicht weiter. Wenn die Stimmung nur noch einen Millimeter weiter überschwappte, war er sich sicher, würden sich die Menschen bei der erstbesten Gelegenheit an den Hals der Lyraner werfen. Vielleicht konnte er mit dem Verkauf der Aktien und dem Ankauf der Lebensmittel gerade noch genug Oberwasser halten, um durch diese schwere Zeit durchzukommen und im nächsten Jahr, wenn sich alles wieder zum Guten wandte, die Lorbeeren für sich beanspruchen.


24. Dezember 2503
Orestes
Schutzbündnis

Bilder im Hintergrund von Landungsschiffen am Raumhafen, von denen eiligst Güter entladen werden, im Vordergrund die Reporterin.
„Dieses Jahr bringt der Weihnachtsmann wirklich ganz große Geschenke. Unangekündigt landeten heute mehrere Landungsschiffe auf Orestes. Unsere Korrespondenten im gesamten Schutzbündnis bestätigen dieses Ereignis auf allen Welten. Die Schiffe gehören zu einer unabhängigen Händlerflotte, die in der gesamten Inneren Sphäre operiert. Die Schiffe kommen aus dem Raum des Lyranischen Commonwealth und haben mit Lebensmittel voll beladene Frachträume. Bisher gibt es noch keine offiziellen Angaben wie es zu dieser Überraschung kam. Nach den letzten Informationen sind die Geldreserven der Regierung bereits mit dem letzten Lebensmittelankauf vor einem Monat erschöpft gewesen. Aber vielleicht kann uns einer der Besatzungsmitglieder der Händlerschiffe Auskunft geben.“
Man sieht wie die Reporterin über den Asphalt des Raumhafens auf einen der Männer zuläuft, der gerade einem vollbeladenem LKW das Zeichen gibt loszufahren.
„Entschuldigen sie, Verzeihung? Guten Morgen, Elisabeth Schmidt von Kanal 7. Können sie uns sagen, wer diese Lebensmittel bezahlt hat und woher sie kommen?“
„Tut mir leid, gnädige Frau, aber wenn sie den Kapitän da hinten fragen, er wird ihnen sicher helfen können. Außerdem, ich möchte nicht unhöflich erscheinen, aber sie stehen im Weg.“
Man sieht wie der nächste LKW rückwärts zur Schiffsluke fährt. Die Reporterin lächelt den Mann entschuldigend an und läuft auf einen älteren Herrn mit grauen Haaren zu.
„Verzeihung, guten Morgen. Elisabeth Schmidt von Kanal 7. Sind sie der Kapitän dieses Schiffes.“
„Aber ja, schöne Dame, das ist mein Schiff. Wie kann ich ihnen helfen?“
„Könnten sie uns bitte sagen, woher diese Waren kommen und wer ihr Auftraggeber ist?“
„Aber sicher kann ich das, Fräulein Schmidt. Die Waren kommen aus der Provinz Skye im Lyranischen Commonwealth. Herzog Robert Lestrade von Skye hat von der Lage hier im Schutzbündnis erfahren und sofort die Überproduktion seiner Provinz zusammenfassen lassen. Danach wurde ein Konvoi gebildet und hier her entsannt, mit den Waren die sie hier sehen, als Geschenk. Wir sollen Frohe Weihnachten ausrichten.“
Man sieht den Kapitän in die Kamera lächeln und die Arme ausbreiten, so als wolle er die Container hinter sich als Gaben umarmen und weiterreichen. Die Reporterin bedankt sich beim Kapitän, wendet sich ab und entfernt sich etwas um nicht unnötig im Weg zu stehen.
„Diese Entwicklung hätte vor einigen Tagen wohl noch niemand für möglich gehalten. Nach den harten Monaten zeigt sich das Universum von einer unerwarteten Seite in seiner freundlichsten Art und Weise. Soweit bisher bekannt werden die Waren zu zentralen Umschlagplätzen gebracht, sie sehen die Adressen inzwischen unten am Bildschirm eingeblendet. Dort werden sie gerecht verteilt. So wie es scheint wird heute noch jeder einen gedeckten Weihnachtstisch zu Hause haben. Unser Dank gilt Herzog Lestrade von Skye. Frohe Weihachten.
Für Sie vor Ort, Elisabeth Schmidt für Kanal 7.“

Am liebsten hätte Hudson die Fernbedienung in den großen Bildschirm geschleudert.
„Das ist ein abgekartetes Spiel! Dieser Lestrade weiß ganz genau wie es bei uns aussieht. Oh was für eine Überraschung das er gerade jetzt so freundlich ist uns Lebensmittel zu senden. Er streckt schon seine Finger nach unserer Heimat aus und diese Narren laufen ihm freudelachend in die Arme! Wie kann er es nur wagen, dieser lyranische Drecksack? Und diese Frau… diese Schmidt, sie stellt ihn noch als den Weihnachtsmann persönlich hin!“
König stand neben ihm, ruhig und gelassen, wie immer. „Es wird euch nicht erspart bleiben ihm dafür zu danken.“
„Einen Dreck werde ich tun! Ich bedanke mich doch nicht auch noch bei diesem Schweinehund dafür das er uns den Dolch in die Brust rammt!“
König lies ihn noch ein wenig weiter zedern, ehe er abermals das Wort ergriff: „Ihm nicht zu danken würde euer Ansehen noch mehr schaden, als wenn ihr es tut. An der Lage können wir jetzt nichts mehr ändern. Wenn ihr jetzt auf stur schaltet und das Geschenk nicht dankend entgegennehmt habt ihr den letzten Rückhalt beim Volk verloren, der ihnen noch verblieben ist.“
Hudson funkelte seinen Geheimdienstchef an, nickte dann aber zustimmend. „Sie haben recht, aber das macht es nicht leichter für mich. Dieser Lestrade ist eine Hyäne, die nur auf den richtigen Moment gewartet hat, um seine Fänge in unseren Leib zu schlagen. Genau in dem Moment, in dem uns diese verdammten Dracs in den Dreck geworfen haben, hat er uns jetzt den Todesstoß gegeben.“
„Noch sind sie der Erste Vorsitzende des Schutzbündnisses. Nehmen sie die Hilfe an, bedanken sie sich dafür, aber versichern sie auch, daß wir uns dafür erkenntlich zeigen werden. Nächstes Jahr geht es wieder bergauf. Sobald NewGen die Käfer erledigt hat, wird unserer Wirtschaft sich wieder erholen und dann wird man sich zwar noch an Lestrades gutmütige Laune zu Weihnachten erinnern, aber sie werden uns gerettet haben.“
Der Präsident nickte zustimmend: „Ja, so wird es sein. Wir müssen einen kühlen Kopf bewahren, sie haben recht König. Na gut, veranlassen sie eine Pressekonferenz. Ich werde tun was nötig ist. Heute ist Weihnachten, da soll es Geschenke geben, morgen ist aber schon wieder unser Tag angebrochen.“

Re: Das Schutzbündnis

Mo 5. Nov 2012, 17:58

19. Jänner 2504
Orestes
Schutzbündnis

Reporterin vor dem Parlament.
„Vor einigen Tagen wurden uns erschütternde Dokumente zugespielt, die der Regierung von Präsident Hudson verabscheuungswürdige Praktiken vorwerfen. Ein unbekannter Informant übermittelte Kanal 7 die Kopie einer Akte, welche bereits am 8. Juli 2502, also noch vor den Anschlägen der sogenannten Drachen-Attentäter dem Ersten Vorsitzenden vorgelegt wurden. In dem Bericht warnte der Geheimdienst vor der ernstzunehmenden Gefahr, welche von Draconis-Kombinat-Fanatikern ausgehen würde. Es wurde sogar hinzugefügt, daß es Anzeichen dafür gäbe, daß diese Terrorzellen Anschläge auf hochrangige Politiker der Lyraner-Partei planen würden. Außerdem war noch eine Liste mit den potentiellen Zielen Bestandteil dieses Dokumentes. Die Anschläge, denen damals 28 Menschen zum Opfer fielen, hätten laut diesen Akten verhindert werden können, doch Präsident Hudson zeichnete sie als unwichtig ab, wodurch sie abgelegt wurde ohne das irgend etwas gegen das drohende Unheil unternommen wurde. Wir berichteten ausführlicher vor einer Woche.“
Bilder von den Greueltaten vor 2 Jahren werden gezeigt.
„Nachdem es ein halbes Jahr später den Staatskräften gelungen war die Attentäter dingfest zu machen wurde es als großer Sieg der Regierung über den Terrorismus gefeiert. In Anbetracht der neuen Beweise handelt es sich aber eher um eine Vertuschungsaktion ungeahnten Ausmaßes. Prof. Dr. Huber, führender Politwissenschafter meint dazu folgendes:“
Umblendung auf einen Mann von etwa sechzig Jahren.
„So wie sich die Lage darstellt hatte Präsident Hudson im Sinn seine politischen Feinde mit einem einzigen Schlag außer Gefecht zu setzen. Er lies zu, daß die Kombinatsfanatiker die Führungsriege der Lyranischen Partei eliminierten, um danach in einer groß aufgebauschten Aktion die Draconier zu entlarven, was natürlich der Kombinats-Partei erheblichen Schaden zufügte. Nicht gerechnet hatte er damit, daß durch seinen Plan den Fanatikern genug Zeit blieb um ihre stärkste Waffe einzusetzen, den Etanis-Käfer. Hätte Präsident Hudson damals sofort gehandelt, so wäre die folgende Hungerskatastrophe verhindert worden, die nicht nur unsere Wirtschaft zerstörte, sondern auch noch Hunderten Menschen das Leben kostete.“
Rückblende auf die Reporterin.
„In diesem Licht betrachtet scheinen die jüngsten Verfehlungen des Präsidenten, die kühle und abweisende Art einen Botschafters von Herzog Robert Lestrade, der weitere Hilfsgüter brachte, zu empfangen, beinahe belanglos. Nicht zu vergessen bleibt, daß Präsident Hudson durch seine Mißwirtschaft, hierbei sei vor allem das Moningside-Ytterbium-Gewinnungswerk genannt, wodurch er das gesamte Schutzbündnis in den Ruin getrieben hat. Diese neuesten Erkenntnisse über die Machenschaften von Präsident Hudson haben hohe Wellen geschlagen. Im Parlament findet heute eine Krisensitzung statt. Es ist anzunehmen, daß der Erste Vorsitzende mit heute seinen Hut nehmen muß. Abgeordneter Haring, der neue starke Mann an der Spitze der Lyraner-Partei, hat bereits angekündigt eine Volksabstimmung über den Anschluss an die Provinz Skye des Lyranischen Commonwealth zu fordern. Nachdem der Botschafter Herzog Lestrades nach dem abweisenden Empfang empört das Regierungsgebäude verlassen hat und durch Abgeordneten Haring beschwichtigt und auf sein Gut eingeladen wurde, ist anzunehmen das der Botschafter, sollte es zu einer Abstimmung kommen, noch vor Ort bleiben wird, um das Ergebnis persönlich miterleben zu können.“
Die Reporterin greift sich an ihr Ohr, nickt kurz und lächelt dann wieder in die Kamera.
„Soeben wurde mir mitgeteilt, daß dem Antrag auf eine Volksabstimmung statt gegeben wurde. Es steht noch kein fixer Termin fest, aber es ist anzunehmen, daß es sehr bald soweit sein wird.
Das Schutzbündnis segelt allen Anschein nach neuen Ufern entgegen, in der Hoffnung eines sonnigen Morgens nach dieser dunklen, kalten Nacht.
Für Sie vor Ort, Elisabeth Schmidt für Kanal 7.“

Re: Das Schutzbündnis

Di 13. Nov 2012, 08:50

5. März 2504
Skye
Lyranisches Commonwealth

Herzog Robert Lestrade lächelte wirklich erfreut, als er vor die vier Personen trat. Er schüttelte ihnen einem nach dem anderen die Hand und bat sie dann am Konferenztisch Platz zu nehmen. Sie befanden sich in einem unterirdischen Bunkerkomplex, direkt unter seinem Palast. Hier war das Herz seiner Provinz, hier liefen alle Drähte, alle Informationen zusammen. Es war nicht leicht ein über mehrere Planeten aufgeteiltes Reich zu regieren, und es würden noch mehr Planeten werden die es zu verwalten galt. Diesen vier Personen verdankte er es aber, daß sein Herrschaftsbereich gerade um sechs weitere Planeten erweitert worden war, und das alles ohne auch nur einen Soldaten hinschicken zu müssen.
„Ich kann ihnen gar nicht genug danken. Ich weiß, die letzten Jahre waren alles andere als leicht für sie, aber der Erfolg dieser Operation ist einzig und allein ihr Verdienst. Ich möchte ihnen gerne noch einmal persönlich für ihren Einsatz und ihre unerschütterliche Treue danken.“ Lestrade wandte sich dem ersten Mann zu.
„Das Hudson ein Vermögen in eine nicht existente Rohstoffquelle verschleudert hat ist ihre Leistung gewesen, Agent Holl. Durch ihre Verfälschung der Vermessungsdaten rannte er ohne nachzudenken in sein Verderben. Er richtete seinen Staat zu Grunde, ohne dass er es selbst bemerkte. Daraus habe ich gelernt. Sie haben uns gezeigt, daß wir uns zu sehr von der Technik abhängig machen. Ich habe angeordnet, daß auf jeden Fall immer zuerst Probebohrungen vorzunehmen sind, wenn wir neue Rohstoffquellen erschließen wollen. Ein solches Fiasko wird bei uns nicht vorkommen. Ich danke ihnen.“
Der Herzog wandte sich dem nächsten Mann zu.
„Agent Farmer, es tut mir leid, daß sie bei einem Ausflug auf ihrer Jacht sterben mußten. Dafür haben sie jetzt wieder ihr Leben zurück. Das sie als Peter Bischof diesen Konzern aufgebaut haben, und das nur mit einem minimalen Kapital, war ein ausgezeichneter Geniestreich. Das die Führer des ehemaligen Schutzbündnisses dann noch genug in diese überteuerten Aktien gesteckt haben, um sämtliche anfänglichen Investitionen bei weitem abzudecken, zerging mir wie Schokolade auf der Zunge. Sie werden niemals erfahren, daß sie selbst für die Kombinats-Ausrüstung der Terrorzellen bezahlt haben. Nachdem sie vorsorglich daran gedacht haben ihre Pestizide so zu mischen, daß sie gegen den Etanis-Käfer wirkungslos waren, war nur die Spitze auf dem Eisberg. Leider sind sie jetzt kein reicher Geschäftsmann mehr, dafür haben sie ihr eigenes Leben zurück, zumindest solange bis sie den nächsten Auftrag für mich übernehmen. Ich danke ihnen.
Womit wir beim nächsten in der Runde wären“, Lestrade wandte sich dem dritten Mann zu.
„Agent Kato, sie haben sich dem größten Risiko ausgesetzt, als sie die Terrorzellen gründeten. Ihr Doppelspiel als Victor, dem Lyranischen Agenten und Akio war eine Gratwanderung die ihresgleichen sucht. Das sie auch ihren Informanten im Stab der Regierung bei einem Attentat ihrer Fanatiker mit ausschalten ließen war sehr gut überlegt. Man sollte niemals lose Enden zurück lassen. Diese ganze Aktion dem Kombinat in die Schuhe zu schieben war eine außerordentlich brillante Idee. Ihre Idee mit den Etanis-Käfern, um die Wirtschaft des ehemaligen Schutzbündnisses vollends zu zerstören, war unvergleichlich. Wir sollten niemals vergessen, daß wir uns zwar selbst als die Herrscher über alle anderen Lebewesen ansehen, aber schon so kleine Tiere uns zugrunde richten können. Ihnen allen freie Hand bei der Abwicklung ihrer Mission zu gewähren war die beste Entscheidung die ich je getroffen hatte. Ich war schon immer der Meinung, daß solche großangelegten Missionen keine wirkliche Planung verkraften. Viel zu viele Dinge spielen mit in die Entscheidungen und ein kleiner Stein kann große Kreise ziehen. Flexibilität ist unserer Stärke. Das ist eine Lehre, die wir nie vergessen sollten. Ich danke ihnen.“
Nun wandte er sich der letzten Person im Raum zu: „Agentin Sener, sie haben uns gezeigt, welche Macht die Medien über das einfache Volk haben. Als Elisabeth Schmidt waren sie die einflüsternde Stimme in den Köpfen der Menschen. Es ist kein Wunder das Fräulein Schmidt von einem Sender auf Eutin abgeworben wurde. Nur schade dass sie ihre neue Arbeitsstelle niemals antreten wird. Scheinbar wurde sie entführt, aber unsere Staatsdiener suchen sie mit allen Mitteln.“ Er lächelte die Frau verschwörerisch an. „Die Medien sind der wahre Herrschaftsapparat über die Massen, meine Freunde. Jeder Anführer der das nicht begreift, wird nicht lange an der Spitze bleiben. Die Medien müssen kontrolliert werden, jedoch nicht so offensichtlich, dass das einfache Volk bemerkt was ihnen eingeflüstert wird und was niemals an die Öffentlichkeit gelangt. Ich danke ihnen für diese Lehre, Agentin.“
Lestrade klatschte in die Hände und stand auf, die vier Agenten sprangen sofort auf und nahmen Haltung an.
„Es tut mir leid, daß ich sie nicht in aller Öffentlichkeit loben und auszeichnen kann. Niemand wird je erfahren, was sie geleistet haben um unserem Staat zu dienen. Ich versichere ihnen aber, daß sie meine tiefste Bewunderung haben. Nun will ich sie aber nicht länger aufhalten, es wird Zeit für ihren wohlverdienten Urlaub. Genießen sie die Zeit. Entspannen sie sich die nächsten Monate und kommen sie dann gestärkt zurück. Es liegt noch viel Arbeit vor uns.“
Herzog Lestrade nickte den Agenten noch einmal zu und verlies dann den Raum.
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